Interna aus dem Autorenleben | Tipps für angehende (Jung)Autoren

Regelmäßig fragen angehende Autoren, welches denn die beste Plattform ist, um ihr E-Book hochzuladen.

Sichtlich erschlagen – so steht manch Jungautor vor seinem vollendeten Manuskript angesichts der verschiedenen Veröffentlichungswege

Hierzu ist zunächst folgendes zu bemerken:

Falls du nicht mit starkem Regionalbezug schreibst (zum Beispiel Regionalkrimis, lokale Sagen, Historie aus der Umgebung …) oder Kinderbücher und diese durch Lesungen sowie in Kooperation mit aufgeschlossenen Buchhandlungen (soll es geben …) verbreiten kannst, dann verkaufst du E-Books und Prints ungefähr im Verhältnis 50:1.

Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel, bei der jüngst erschienenen Gesamtausgabe von „Aus der Zeit gefallen“ liegt das Verhältnis bei ca. 1:1 – rechne ich aber die Serials hinzu, läuft es eher auf 40:1 hinaus …

Ein E-Book für 3, 4, 5 Euro kaufe ich schnell mal nebenher … Wenn man nicht gerade Kurzromane und Serials schreibt, reißt der Preis für ein Taschenbuch, der schnell die 10 bis zu 15 € übersteigt, doch ein fühlbares Loch ins Portemonnaie. Ergo ist es unheimlich wichtig für dich, den besten Vertriebskanal für deine E-Books zu finden und zu nutzen.

Amazon bietet hierbei mehrere Vorteile, was mit mehreren Faktoren zusammenhängt. Die beiden wichtigsten scheinen mir  die ausgesprochene Offenheit der Amazon-Kunden gegenüber SP-Publikationen einerseits und die „diskriminierungsfreie“ Präsentation von SP-Titeln neben Verlagsveröffentlichungen andererseits.

Ich weiß nicht, was davon das Ei und was die Henne: Sind die kindle-Leser aufgeschlossener, weil (professionell gemachte) SP-Titel als solche kaum zu erkennen sind? Oder tummeln sich Leute, die Lektüre abseits der immer gleichen Verlags-„Autobahnen“ suchen, eher bei Amazon?

Im Grunde ist es egal, Fakt ist, zwei E-Books von ungefähr gleicher Qualität, was sich anhand von Cover, Klappentext und Leseprobe schnell feststellen lässt, innerhalb einer Genre-Sparte weisen überaus unterschiedliche Rankings auf – wenn sie unter Nutzung von kdp select oder via Distributor  auf mehreren Kanälen veröffentlicht werden.

Hierbei ist das bei Amazon ausgewiesene Ranking („Amazon Bestseller-Rang: #5.283 Bezahlt in Kindle-Shop“) nur eine Momentaufnahme. Ich empfehle, mal die ASINs von zwei ausgewählten Publikationen – eine via kdp select bei KU ausleihbar, eine nicht – beim kostenlosen Tool von https://novelrank.com einzutragen und nach 2-4 Wochen einen Vergleich der Rankingverläufe anzustellen.

(Ich hab da mal etwas vorbereitet …)

Ohne die Verknüpfung mit meinen sehr gut platzierten SP-Titeln (Aus der Zeit gefallen-Serial und Gesamtausgabe) wäre das Ranking des Verlagstitels noch schlechter. Das hatten wir alles schon mal …

Falls du jetzt die Augenbrauen hebst ob der Fachbegriffe, hier gibt es Abhilfe:

  • Amazon-Werbeaktionen: Wenn dein E-Book über längere Zeit ein gutes Ranking und/oder einen besonders guten Bewertungsschnitt aufweist (und wenn du mehrere Bücher veröffentlicht hast), kannst du Glück haben und kdp kontaktiert dich wegen Werbeaktionen wie den kindle Lesewochen (traditionell im März) oder gar wegen der möglichen Einladung zu einem kindle Deal
  • ASIN: ist die Amazon-interne Artikelnummer von E-Books. Die findest du im Feld „Produktinformation“ bzw. in der URL nach dem Slash hinter /dp/
  • Author-Central: Wenn du bei Amazon auf den in blauer Schrift hinterlegten Autorennamen klickst, kommt ein Kasten „Autorenname Entdecken Sie AutorXY (blau hinterlegt) bei Amazon … usw.“ Wenn du wiederum darauf klickst, kommst du auf die Autorenseite, die du via Author-Central (Einfach mit deinem Amazon-Account anmelden) selbst ausfüllen und pflegen musst. Autorenfoto, Vita, neue Titel – wenn du das ordentlich anlegst (was übrigens für jeden Autor möglich ist, egal ob SP, egal welcher Distributor, egal ob Verlagsautor), werden hier deine Bücher anschaulich präsentiert.
  • kdp ist die Veröffentlichungsschiene von Amazon (kindle direct publishing). Inzwischen kannst du ganz bequem dort auch deine Taschenbücher im PoD (Print on Demand-Verfahren) anlegen und vertreiben.
  • kdp select bedeutet, dass du deine E-Books ausschließlich bei Amazon anbietest. Dafür bekommst du Vorteile eingeräumt. Der wichtigste ist die Teilnahme an der KU Ausleihe, andere wichtige Punkte sind Werbeaktionen, mit denen Amazon auf dich zukommt, und vor allem die Möglichkeit, dein E-Book in geschickte kindle-Kategorien umordnen zu lassen. Letzteres konnte man früher auch für Verlagspublikationen veranlassen – inzwischen ist das nur noch für bei kdp direkt veröffentlichte E-Books möglich.
  • kindle-Kategorien: Im unteren Bereich der „Produktionformation“ sind die Rankings aufgeführt. Heute steht z.B. „Aus der Zeit gefallen – Band 1“ mit einem Amazon Bestseller-Rang von #5.727 insgesamt in der Kategorie Kindle-Shop > eBooks > Fantasy & Science Fiction > Fantasy > Zeitgenössisch auf Platz 65. Da müssen Leser, die zeitgenössische Fantasy suchen, lange blättern, ehe sie auf mein Buch stoßen – ein Gutteil von ihnen wird eines der weiter vorne platzierten Bücher kaufen … Besser sieht es in der zweiten Kategorie aus, die wir betrachten wollen: Nr. 25 in Kindle-Shop > eBooks > Liebesromane > Zeitreisen. Da ist die Chance schon größer, dass Freund von Zeitreise-Romanzen bei meinem Buch zugreifen, einfach, weil sie es sehen können. Richtig gut sichtbar ist ein und das selbe Buch aber in der Kategorie Kindle-Shop > eBooks > Liebesromane > Historische Romantik > Wikinger auf Platz 4 (je nach Tagesform kann es auch die 2 oder 3 sein …) Unter den historischen Wikingerromanzen sind meine Bücher immer top platziert – weshalb ich davon ausgehe, dass sie so oft gekauft und ausgeliehen werden.
  • KKA ist die Abkürzung für „Kunden kauften auch“ (Auf Amazon in der Langversion als „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch“ bezeichnet). Ein Buch erhält diese Zeile, wenn es oft genug verkauft (beziehungsweise über KU ausgeliehen) wurde. Je länger die KKA-Zeile, umso besser.
    Richtig gut laufende Bücher bekommen neuerdings noch die Zeile „Gesponserte Produkte zu diesem Artikel“.
    Es gibt aber auch noch eine andere Auswahlleiste. Wenn ein Buch sehr zurückhaltend gekauft wird, erscheint statt „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch“ (KKA) eine Zeile mit dem Titel „Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen“.
    Bei noch weniger Verkäufen fehlt auch diese Verknüpfung komplett.
  • KU/Kindle Unlimited: Leihbibliothek von Amazon. Die Leser zahlen pauschal rund 10 € im Monat und dürfen dafür so viele KU-Titel ausleihen und lesen, wie sie wollen (max. 10 gleichzeitig). SP-Titel werden entsprechend der gelesenen Seiten mit Tantiemenzahlungen berücksichtigt, zudem wirkt sich jeder Ausleihvorgang wie ein Kauf auf das Ranking aus.
  • Taschenbücher im PoD: Amazons kdp bietet auch due Möglichkeit, deine Bücher im Print on Demand-Verfahren (Druck auf Anforderung/Bestellung) anzulegen und zu vertreiben. Deren Qualität ist echt ordentlich und die Preise sind gerade für dicke Bücher erheblich niedriger als beim Wettbewerb.

Noch ein Tipp: Wenn dir jemand einen Kurs verkaufen will, suche dessen Bücher bei Amazon und schaue dir das Ranking an. 
Ich bin anfangs fast einem komischen Duo auf den Leim gegangen, aber dann sah ich, dass deren Bücher noch mieser dastanden als mein Debüt und die ersten SP-Bücher damals.
Da fragte ich mich: Wenn die eine so tolle Methode haben, um ein Buch erfolgreich zu machen – weshalb wenden sie die dann nicht bei ihren eigenen Büchern an?
Hmm.

Der beste Weg, für dein Buch zu werben und Erfolg zu haben, ist die Einhaltung der sieben goldenen Regeln (in ihrer aufgeführten Reihenfolge:)

  1. Veröffentliche unter Nutzung von kdp select
  2. Lasse dein E-Book in geschickte Kategorien einordnen
    (Tipp: Schreibe dir für dein Buch passende Kategorien heraus und notiere, welches (Gesamtranking) das dort jeweils auf Platz 5 oder 10 oder, wenn du erst anfängst, auf Platz 100 steht.)
    Denn nur soweit können Kunden sich durch die Kategorien blättern und dein Buch zufällig entdecken, weshalb es von großem Vorteil ist, dort hineinzurutschen. Es gibt immer noch große Unterschiede bei den Rankings der Kategorien.
  3. Sorge für ein schönes Cover & Klappentext
    Es muss gar nicht das Tollste vom Tollen sein, es darf nur nicht selbstgemacht aussehen oder Augenkrebs hervorrufen
  4. Achte darauf, ordentliche Qualität abzuliefern
    Ein komplett fehlerfreies Buch gibt’s nicht, aber wenn schon in der Leseprobe Kommas fehlen, jeder 2. Satz mit „Ich“ anfängt oder gar Wikinger in Kutschen fahren und Kerzen anzünden … 
    Nee, näh? Oder?
  5. Befasse dich mit ein paar Grafikprogrammen und mit wunderschönen Arrangements, die Bookstagrammer posten
    Ich empfehle die Apps Canva, Ripl und Werble. 
    Lasse dich inspirieren und nutze sie für Werbung, die du auf Instagram postest und auf Facebook und dort in Büchergruppen teilst.
  6. Vergiss Facebook-Werbeanzeigen
    Wenn du erst einmal ein halbes Dutzend Bücher herausgebracht hast, kannst du andere Werbeportale nutzen.
    Daher
  7. schreib an deinem nächsten Buch!
    Dein neuestes Buch ist immer die beste Werbung für deine bisherigen Bücher.

Findest du diese Hinweise hilfreich?
Ich freue mich über Feedback!

Schreibst du selbst und hast eigene Tipps beizutragen?
Immer her damit! #miteinanderstattgegeneinander

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.