Wir sind die rote Linie: #Heilbronn1812

Beitragsbilder: katato todo

Bericht von der Kundgebung des 4. Adventswochenendes in Heilbronn

Wieder einmal wurde der Versammlungsort auf Anweisung der Behörden verlegt:
Raus aus dem Herzen der Stadt; dieses mal auf die Theresienwiese statt am Bollwerksturm – was sich im Nachhinein als gute Entscheidung herausstellte.
Aber davon später mehr …

Angereist in einer quietschfidelen Fahrgemeinschaft, staffierten wir uns mit den mitgebrachten Plakaten aus und schlossen gleich mal erste Bekanntschaften.

Hinweis: Schon allein das ist unglaublich wichtig in dieser Zeit der aufgezwungenen sozialen Vereinzelung, der Vereinsamung und des Verbots körperlichen Kontakts.
Nutzt Kundgebungen, nutzt Spaziergänge!
Geht auf andere zu und lernt die vielfältigen Facetten der Teilnehmer kennen!

Auffällig war die wirklich bunte Durchmischung der Teilnehmer:

Sehr viele, eigentlich die Mehrheit, die optisch der unteren Mittelschicht angehörten, aber auch etliche, deren exquisite Bekleidung, der Schmuck der Damen und die teuren Schuhe und Winterjacken der Herren auf gutsituierte Verhältnisse hindeuteten.
Sehr viele aus der „alternativen Szene“, aber auch unzählige „Normalos“, brave Steuerzahler, überwiegend apolitische Bürger. Die typisch schwäbischen Häuslesbauer halt.
Nicht wenige körperlich Behinderte.
Natürlich eine große Zahl an Pflegekräften, erkennbar an entsprechenden Plakaten.
Eine Handvoll Kopftuch tragender Damen, sehr engagiert.
Und dann auch – das war neu und für mich überaus positiv:
Studenten und viele junge Menschen, die optisch (adrett geschminkt die Mädels, gestylt frisiert und modisch gekleidet beiderlei Geschlechts) dem Mainstream, wie er auf Instagram und TicToc vorgelebt wird, angehörten.
Viele Eltern mit Kindern an der Hand oder im Kinderwagen, fast noch mehr Herrchen und Frauchen mit ihren Wuffis (die 2-3 Molosser-artigen Prachtkerle verbreiteten ein sehr wohltuendes Gefühl der Sicherheit).

Die Stimmung war durchweg positiv, direkt fröhlich.
Man merkte den Leuten an, dass sie regelrecht ausgehungert waren nach Sozialkontakten. Es ergaben sich vielfältige, gute und informative Gespräche.

Der stationäre Teil der Kundgebung wurde von allen Anwesenden, mit denen ich sprechen konnte, als zu lange und – insbesondere die Redebeiträge am „offenen Mikrofon“ als zu langatmig empfunden.
Die Mehrzahl der Sprecher wiederholte nur Punkte, die allen Anwesenden bereits bekannt sind. Zudem erschließt sich für den Teilnehmer von unterschiedlichen Kundgebungen, dass einige Sprecher immer wieder die gleiche „Platte“ abspulen.

Hinweis an die Veranstalter: Vielleicht könnten die Organisatoren der nächsten Kundgebung diese berechtigte Kritik aufnehmen und ein – durchaus knapp gehaltenes – Redezeitlimit einführen?
Zu bedenken ist auch, dass bei den herrschenden Temperaturen das regungslose Stehen ziemlich rasch unangenehm wird.

Zudem (Zitat eines Teilnehmers):

“Der Zug durch die Straßen ergibt doch viel bessere und begeisterndere Videos.“

Die Anordnungen der Polizei, die von den dienstbeflissenen Ordnern (mein Beileid und zugleich Respekt für die, die sich bereiterklärten) und den Organisatoren am Mikrophon durchgesagt wurden, entbehrten nicht einer gewissen unfreiwilligen Komik.

„Es dürfen keine Glasflaschen mitgeführt werden!“ – als ob wir Fußball-Hooligans oder Antifa-Gestalten wären …
Ich hab trotzdem – brav wie ich bin – in meine Tasche geschaut und meine Thermoskanne überprüft.
Dass sie aus Edelstahl gefertigt ist, löste hysterisches Gelächter einer neben uns stehenden Männergruppe aus:
“Ha, mit so äner Edelstahlflasche kannsch glei mehrmals zuschlage …“
“… unn äss schbliddert ned! Braggtisch!“

By the way: Wer erkennt mich?


Auf der Kundgebung konnte ich viele gute Gespräche führen.
Ein paar Aussagen möchte ich hier dokumentieren:

„Mein Sohn geht in die 1. Klasse. Gestern kam er heim und hat gemeint:
‚Der X und der Y werden jetzt freigeimpft.‘
Ich so, alarmiert: ‚Freigeimpft? Was soll das bedeuten?‘
Mein Sohn: ‚Die werden geimpft, damit sie frei sind.‘

„Da mein Mann schon länger auf Intensivstation liegt, hatte ich bei der Einführung von 2G ein Problem. Er braucht mich doch.
Dank Zungenkuss mit einem Infizierten habe ich mich angesteckt.

„Pandemie der Ungeimpften? Ha, dass ich nicht lache! Hier, das ist aus der Whatsapp-Gruppe unserer Covid-Station. Die Leitung schreibt:
‘Wenn ein positiver PCR-Test vorliegt, ist der Patient als ungeimpft einzutragen.‘
Hat eine nachgefragt, ob das nicht Verarsche ist.
Antwort: ‚Das ist eine dienstliche Anweisung.‘
(Ich habe den Chat-Verlauf mit eigenen Augen gesehen.)

Großartig auch die Reaktionen auf die Kundgebung

Unzählige „Daumen hoch“ aus hupenden Autos, Winken und Applaus von den Balkonen, ein an sein Motorrad gelehnter Polizist, der sein breites, zufriedenes Lächeln nicht verbarg.


Und dann der süße ältere Herr mit seinem Anliegen am Straßenrand.
Spoiler: Ihm wurde natürlich geholfen!
Er bekam etliche Telefonnummern zugesteckt!

Toll generell der Humor, die Hilfsbereitschaft und das vorbehaltlose Aufeinanderzugehen der Teilnehmer!
Tipp: Zum „Anbandeln“ eignet sich hervorragend ein Grablicht, dessen Flamme beim Laufen regelmäßig im flüssigen Wachs „ertrinkt“ und Kontaktaufnahme zu Rauchern erfordert.

Ja: „Was wärt ihr ohne uns Raucher?“, meinte einer der freundlichen Helfer.
Und berichtete davon, dass die „Asiatische Grippe“, an der sein Papa 1968 schwer erkrankt war, auch von einem Coronavirus ausgelöst worden war.
Dass dies aber niemand mehr wisse.
(Ich hoffe, es klappt mit dem Gastbeitrag/Interview!)

Wie viele waren wir überhaupt?

Nach Polizeiangaben 1.700 – aber die Beamten sind gut geübt darin,e Zahlen nach unten „abzurunden“. Nach Schätzung der ehemaligen MdB Franziska Gminder waren wir „deutlich über 2.000“, mehrere sehr kundgebungserfahrene Teilnehmer überschlugen hingegen 3.000 Spaziergänger.

Zum Abschluss wurde dann noch der aus Südtirol bekannte Ruf „Frei-heit! Frei-heit!“ mit rhythmischem Klatschen durchgeführt – das gefiel mir sehr gut.

Anmerkung an die Veranstalter: Vielleicht das nächste Mal zum „Warmmachen“ vor dem Start des Zugs? Und vielleicht 10-12 Leute als „Chor“ auf die Mauer hinter dem Zeltpavillon mit der Verstärkeranlage platzieren, um die Masse zu animieren?
Und dann: Mehr Geduld! Mindestens 30 Wiederholungen, ehe das Tempo gesteigert wird?

Ich könnte noch stundenlang so weiter berichten – aber hier wartet die wunderschönste Nordmanntanne des Jahres darauf, in ihr Festtagskleid gehüllt zu werden.
Deshalb wünsche ich euch an dieser Stelle einen schönen Sonntag und …

… bis bald wieder auf Kundgebung!

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