Gastbeitrag: Der Weg in die Impf-Apartheid

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von Johannes Heim (Unterüberschriften hinzugefügt von Katharina Münz)

Die Corona-Krise, welche seit Ende des Jahres 2019 die Welt global fest im Griff zu haben scheint, hat eine Reihe in den westlichen Demokratien nie dagewesener staatlicher Interventionen mit sich gebracht, die in verschiedenen Lebensbereichen vom öffentlichen Leben, bis in die privateste Sphäre der Selbstbestimmung über den eigenen Körper weitreichende Konsequenzen zeitigten und zeitigen.

Lockdowns und Grundrechtsentzug haben die Spaltung verschärft

So haben Staaten weltweit seit Beginn der Pandemie auf das Mittel des sog. „Lockdowns“ zurückgegriffen, das noch nie in der bekannten Geschichte der menschlichen Zivilisation in Form und Ausmaß in dieser Weise durchgeführt worden ist und zu bislang noch nicht absehbaren negativen Konsequenzen für Gesundheit, Wirtschaft und Gesellschaft geführt hat.

Die Durchsetzung von Lockdowns ging unweigerlich mit Grundrechtseinschränkungen einher wie Einschränkungen der Versammlungsfreiheit, Reisefreiheit, Bewegungsfreiheit, aber auch Einschränkungen des Rechts auf körperliche Unversehrtheit, um nur ein paar der markanteren Beispiele zu nennen.

Maßnahmen-Befürworter vs. -Kritiker

Die unterschiedlichen Reaktionsweisen der Bürger auf die staatlich bestimmten
Interventionen hat zu einer massiven Verschärfung von in den Bevölkerungen bereits vorhandenen Spaltungsprozessen geführt und diese in Maßnahmen-Befürworter und Maßnahmengegner aufgeteilt, welche, besonders in den Narrativen der Medien als CoronaLeugner bzw. von Akteuren der Politik in Deutschland als Querdenker 1, Reichsbürger und Rechte oder gar Covid-ioten 2 bezeichnet wurden.

Immer unversöhnlicher stehen sich derzeit diejenigen Gegenüber, die die Angst vor dem Virus hervorheben und das Schutzbedürfnis in immer strengeren Interventionen des Staates suchen sowie diejenigen, welche die immer strengeren staatlichen Maßnahmen mit Angst und Sorge als Machtergreifung und Abgleiten in eine immer totalitärere Struktur wahrnehmen.

Dritte Gruppe: Konformisten

Eine dritte Gruppe bilden diejenigen, die erhebliche Angst vor ökonomischen Schäden bis hin zum Existenzverlust haben müssen.
Diese Gruppe versucht, sich möglichst genau an die staatlichen Vorgaben anzupassen, um keine weiteren ökonomischen Einbußen durch Lockdownmaßnahmen hinnehmen zu müssen 3.

Verschärfung der Spaltung durch Impfung

Verschärft hat sich nun die Spaltung mit dem Aufkommen der experimentellen Vektor- und mRNA-Impfstoffe. Mit dem Argument des Rechtsgrundsatzes, Gleiches gleich und Ungleiches ungleich zu behandeln, drängt die Politik, mit immer stärker werdendem indirekten Druck darauf, möglichst die gesamte Bevölkerung impfen zu lassen, wobei sie sich dazu verleiten zu lässt, mit Elementen offener Diskriminierung zu spielen und Ungeimpften teilweise unverhohlen mit dem Ausschluss aus gesellschaftlicher Teilhabe zu drohen 4. Dabei vertieft die Politik die Spaltung in der Bevölkerung, indem sie sie in Geimpfte und Ungeimpfte aufteilt. Dies führt zu einer zunehmenden Reduktion der interindividuellen Unterschiede mittels des Einordnens der Mitmenschen anhand eines einzigen kollektiven Merkmals: der Impfung.

Teilung der Bevölkerung seitens des Staates

Der Vorausgegangene partielle Grundrechtsentzug scheint nun dazu zu führen, dass seitens des Staates, die Bevölkerung in die Konformen und nicht-Konformen aufgeteilt wird, wobei die Konformen, die Maßnahmen-Befürworter und Geimpften, bedingt wieder mit den vorher entzogenen Grundrechten ausgestattet werden können, z. B. durch Entfall einer Quarantäne oder Testpflicht 5. Hierbei kommen verschiedene Prozesse zum Tragen, die aus der (sozial)psychologischen Forschung bekannt sind. Einige Wesentlich davon sollen im Folgenden herausgegriffen werden.

Mögliche Mechanismen aus der Kognitions- sowie Sozialpsychologie

Ein besonders wichtiges Element bei der Entscheidung für die Annahme der experimentellen Impfstoffe bildet offenbar die Bereitschaft zur Konformität, die in den Experimenten von Solomon Asch 6 zum ersten Mal sozialpsychologisch experimentell untersucht worden ist. Die Experimente zeigten eine hohe Bereitschaft, sich entgegen der eigenen Meinung konform zu verhalten, selbst wenn man eigentlich anderer Meinung war. 32% der Probanden neigten grundsätzlich zur Konformität. Zugleich fand sich jedoch auch ein Prozentsatz von ca. 25% der Probanden, der nicht konformbereit war, und sich durch Gruppendruck (peer pressure) auch nicht umstimmen ließ.

Der dressierte Bürger

Ein weiterer Faktor scheint behaviorale Einflussnahme über operante bzw. instrumentelle Konditionierung 7 in Form von Belohnungs- und Bestrafungslernen sowie intermittierende Verstärkung zu sein. Operante Konditionierung ist ein Lernprozess, bei dem durch sog. Verstärker, die Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines bestimmten Verhaltens erhöht wird.
Man lernt durch Belohnung und Bestrafungsreize, sich konform der Intention des Trainers zu verhalten. Intermittierende Verstärkung meint, dass man nicht jedes Mal bestraft oder belohnt wird, sondern dass die Intervalle variabel sind. Dadurch, dass man vielleicht jedes zweite Mal, später vielleicht sogar nur jedes dritte Mal usw. belohnt wird, verlieren die eingesetzten Belohnungen und Bestrafungen nicht so schnell ihre Wirkung, etwa durch Gewöhnung.

Cliquenbildung: „In“ vs. „Out“

Besonders bedeutsam bei der Spaltung der Bevölkerung ist auch das Group-Think 8,
Gruppendenken. Irving Janis untersuchte dieses in den 1970er Jahren. Hierbei kommt es innerhalb von Gruppen aus dem Bedürfnis von Harmonie und Konformität heraus zu eklatanten Fehlentscheidungen. Zentral dabei ist die Unterscheidung in Ingroup und Outgroup. Da sich in der Ingroup die Mitglieder mit alternativen Ansichten bzw. Vorschlägen stark zurückhalten, kommt es aufgrund der wahrgenommenen Einstimmigkeit zu einer Illusion der Unverwundbarkeit, dem Glauben die alleinig richtige Entscheidung oder Sichtweise gefunden zu haben. Zugleich werden andere Sichtweisen der Outgroup, also aller, die nicht in den erlauchten Kreis der Ingroup gehören, als minderwertig wahrgenommen. Die Ingroup überschätzt also systematisch die Qualität der eigenen Ansichten und unterschätzt zugleich systematisch die der Outgroup zugeschriebenen alternativen Positionen.

Denken im Spagat

Für die Analyse der Spaltung und der Entstehung einer Impf-Apartheid ist, last but not least, noch Leon Festingers Theorie der kognitiven Dissonanz 9 bzw. deren Reduktion von Relevanz. Kognitive Dissonanz entsteht vor allem dann, wenn Einstellung und Verhalten nicht übereinstimmen. Dies kann auch zum Beispiel bei einer (befürchteten) Fehlentscheidung der Fall sein. Verhalten wir uns bewusst oder unbewusst entgegen unserer Überzeugung, kommt es zu kognitiver Dissonanz, einem sehr unangenehmen Gefühl, das wir instinktiv herunterzuregulieren versuchen, eben weil es so unangenehm ist. Damit kognitive Dissonanz entsteht, müssen im Allgemeinen vier Bedingungen erfüllt sein: Erstens muss es zu einer Diskrepanz zwischen Einstellung und Verhalten kommen. Zweitens muss das Verhalten freiwillig erfolgt sein. Drittens entsteht physiologische Erregung und viertens muss diese Erregung kausal dem Verhalten zugeschrieben werden. Da die Erregung als sehr unangenehm empfunden wird, entsteht im nächsten Schritt eine Motivation, diese Dissonanz zu reduzieren. Dies geschieht auf drei Weisen: Neue konsonante Kognitionen werden hinzugefügt; dissonante Kognitionen werden subtrahiert; die ersten beiden Modi werden kombiniert.

Kognitive Vermeidungsstrategien

Um die Spannung der Dissonanz zu reduzieren, kann das zugrundeliegende Problem gelöst werden, man kann seine Einstellung ändern – so wie der Fuchs in der Fabel, der die für ihn unerreichbaren Trauben als ohnehin zu sauer deklariert – oder man kann die physiologische Erregung durch Sport oder Entspannungstechniken regulieren. Es sind aber auch regelrechte Scheinlösungen in Form von Illusionen oder Ausreden möglich, welche das Individuum gebraucht, um die kognitive Dissonanz zu reduzieren. So kann man die Erregung auf andere Ursachen zurückführen, zum Beispiel, indem man sie auf das Verhalten anderer Personen zurückführt: „Er nervt mich, mit seinen Informationen.“ Man kann den Widerspruch zwischen dem eigenen Verhalten und den Einstellungen herunterspielen („So schlimm war es ja auch wieder nicht“), oder das Verhalten als erzwungen darstellen („Ich hatte ja gar keine andere Wahl“). Schließlich kann man Dissonanz erzeugende Informationen schlicht ignorieren oder leugnen, ihre Überbringer entwerten oder sich ausschließlich Dissonanz reduzierende Informationen beschaffen.

Der Vorgang der Spaltung und religiöse Symbolik der Corona-Impfung

Der Begriff der Spaltung taucht als ein unreifer Abwehrmechanismus 10 gegenüber
innerpsychischen Konflikten auch in der Psychoanalyse und in den psychodynamischen Psychotherapien auf. Hierbei wird die Wahrnehmung eines Menschen durch die Psyche des Wahrnehmenden einseitig verzerrt, indem ihm wechselweise entweder nur gute oder eben nur negative Eigenschaften zugeschrieben werden. Wenn wir im Abwehrmechanismus der Spaltung sind, tendieren wir dazu, uns selbst als positiv und unser Gegenüber als ausschließlich negativ wahrzunehmen. Ausgelöst wird der Mechanismus durch einen Aufhänger, wie zum Beispiel die Äußerung einer uns unliebsamen Meinung. Der Abwehrmechanismus der Spaltung kann auch gleichzeitig bei mehreren Personen, Konfliktparteien, Gruppen ablaufen, wodurch eine realistische Konfliktwahrnehmung und -lösung erheblich erschwert wird.

Impfung als „Festakt“

Die Spaltungsprozesse, die verstärkt durch Politik und Medien, in der Bevölkerung zu eskalieren drohen, lassen sich in besonderem Ausmaß an der Debatte um die Impfung mit den neuartigen Corona-Impfstoffen wahrnehmen. Politiker, aber auch Medien haben die derzeit noch neuartige und noch nicht in Langzeitstudien ausreichend getestete Behandlungsmethode der MRNA-Technologie 11 als den alleinigen und einzigen Ausweg aus der Pandemie aufgebaut. So rief Herr Spahn in Herrenberg vor Publikum: „Wir impfen Deutschland zurück in die Freiheit, in die Normalität, in die Sicherheit.“ In vielen Ländern lässt sich anhand von zahlreichen Social Media Postings 12 erkennen, dass das Empfangen der mRNA-Impfung eine besondere symbolische Bedeutung bekommen hat. So finden sich Fotos von Menschen, die mit ihren Impfausweisen posieren, bepflasterte Arme zeigen, T-Shirts tragen, mit dem Aufdruck „Vacced“ oder ähnlichem; von Tattoos mit der Marke des Impfstoffes und dem Datum der „Empfängnis“, oder Bilder von jungen Menschen, die in Anzug und Krawatte oder im Abendkleid zur Impfung erscheinen, wie zu einem Festakt.

Die Corona-Religion als exklusiver Club

Dies erzeugt und verstärkt den Eindruck einer religiösen Symbolik. Auch die Sprache in den Medien und von politischen Akteuren zeugt von religiösen Assoziationen, wenn zum Beispiel von „Corona-Leugnern“ 13 die Rede ist. Die Impfung wird in der Gesellschaft zu einer Art „Panacea“ stilisiert, einem seligmachenden Allheilmittel, einer erlösenden Substanz, die weit mehr zu bedeuten scheint, als den bloßen Schutz vor Erkrankung: Sie bedeutet die Initiation in eine Ingroup, eine Gemeinde gleichrangiger und gleichsam auf die neuartige Technologie vertrauender Menschen; sie bedeutet, sich moralisch anständig, korrekt zu verhalten, als „solidarisch“, dem Kollektiv, der „Volksgesundheit“ dienlich wahrgenommen zu werden, kein „Sozialschädling“ zu sein; sie bedeutet, „Freiheiten“, „Privilegien“ wiederzuerlangen, mit Grundrechten wiederausgestattet zu werden, in Urlaub fahren und reisen zu dürfen; sie bedeutet zunehmend auch, an gesellschaftlichen Anlässen, am öffentlichen Leben wieder teilhaben zu dürfen, seinen Sportverein, die Musikschule usw. wieder ohne Nachweis der eigenen Gesundheit besuchen zu können.

Rituale zur Trennung zwischen „Gläubigen“ und „Unreinen“

Der Ritualforscher Victor Turner 14 hat in Anlehnung an van Genneps Theorie der
Übergangsriten drei Phasen der Initiation festgestellt: Trennung von der Gemeinschaft (Sekklusion), Schwellenphase und Reintegration. Man könnte sich erinnert fühlen, an diese rituelle Dynamik: Die Lockdown-Maßnahmen haben eine Sekklusion, eine Trennung von der Gemeinschaft herbeigeführt, uns isoliert. Zusammen mit dem Masken-Tragen sind wir von unserer Identität und vorherigen gesellschaftlichen Rollen, zumindest als freie, mit Grundrechten ausgestattete Staatsbürger, vorübergehend entkleidet worden. Dies hat uns in den Zustand der Schwellenphase versetzt, wo wir uns nicht mehr im alten und zugleich noch nicht im neuen initiierten Zustand befinden. Die Empfängnis der Corona-Impfung, „krönt“ uns symbolisch nun als neue Menschen, die mit neuen Rechten, Pflichten und Privilegien ausgestattet, wieder teil an der Gesellschaft haben können – die zunehmend nur mehr aus Geimpften bestehen soll, wenn man die hierzulande auftauchenden politischen Phantasien beachtet. Entsprechende Beispiele finden sich oben im Text.

Treue zu „Vater Staat“

Letztlich bedeutet die Annahme der Corona-Impfung auch, Treue gegenüber der symbolischväterlichen Struktur des Staates zu demonstrieren, gut zu sein. Mit der Corona-Impfung geht somit auch ein Selbstwert stabilisierendes Gefühl von Anerkennung vertikal vom Staat bzw. Politik und Medien sowie von der Ingroup der anderen Geimpften einher. Damit wird die Impfung zu einer symbolischen „Taufe“, zur Aufnahme in die Gemeinschaft der Geimpften.
Die Wiederholung des Impfvorgangs mit „Booster-Shots“ ließe sich symbolisch mit
Erneuerung eines Glaubensbekenntnisses assoziieren. Intrapsychisch führt dies zu einer Reduktion vorhandener Konfliktspannung: Zweifel, unangenehme Gefühle gegenüber dem Aufnehmen einer noch nicht langzeiterprobten Substanz, die völlig neuartig ist, können so verdrängt werden. Es kommt damit potenziell zu einer erheblichen kognitiven Dissonanzreduktion, die auch Gedanken an etwaige Spätfolgen aus dem Bewusstsein zu verdrängen imstande ist. Da die Corona-Impfungen aber, zunehmend deutlicher, ein knapp bemessenes Verfallsdatum 15 zu haben scheinen, wird dieses symbolische Bekenntnis vermutlich regelmäßig seine Erneuerung verlangen.

Missionarische Eiferer

Das immense Interesse, die Quote der Impfungen möglichst an die absoluten 100% zu treiben führt dabei zu einem symbolischen missionarischen Eifer, der offenbar für immer radikalere Maßnahmen sorgt, nicht mehr durch belohnende Anreize, sondern durch Ausschluss und indirekte Bestrafung 16 die noch Corona-Ungeimpften zur Impfung symbolisch zu „konvertieren“. Die sich nun unabhängig von einer auftretenden Inzidenz etablierenden 3-G Regeln (Geimpfte, Genesene, Getestete) in Deutschland führen zu einem Nachweiszwang der Ungeimpften, nicht infiziert, symbolisch betrachtet also: nicht unrein zu sein. Dass es bereits Äußerungen seitens Politikern wie Markus Söder gibt, auf eine 2-G Regel, nämlich nur Geimpfte und Genesene zurückzugreifen, mancherorts in Deutschland bereits durch die Hände von Geschäften und Unternehmern umgesetzt 17, zeugt davon, dass sich in dieser Frage ein zunehmender Fundamentalismus ausbreitet, der zur Missionierung und Konvertierung der Ungeimpften vor offener Diskriminierung immer weniger Halt zu machen scheint: Die Äußerung, dass ja jeder über die Impfung frei entscheiden könne, aber mit den Konsequenzen dann eben zu leben habe, lässt das berüchtigte Zitat Idi Amins assoziieren, dass es selbstverständlich Freiheit der Rede gebe, aber die Freiheit nach der Rede natürlich nicht garantiert werden könne.

Entstehungsprozess einer Impf-Apartheid

Druck, sich endlich impfen zu lassen, wird nach spezifischen Alters- und Berufsgruppen nun zunehmend auch auf Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren ausgeübt, wobei sich abzeichnet, dass auch die Jüngeren ins Visier des missionarischen Eifers zu geraten scheinen. Dabei wird mittels kognitiver Dissonanzreduktion offenbar auch das medizinische Grundprinzip des informed consent 18 verdrängt, nach dem die Zustimmung zu einer Behandlung nach eingehender Information ohne ausgeübten Druck, direkt oder indirekt, ohne Manipulation zu erfolgen hat. Gleichzeitig wird medial kolportiert, dass sich die Rechte und Verantwortung der Eltern bereits bei 12-jährigen Kindern nicht mehr uneingeschränkt auf die Entscheidung für oder gegen eine Corona-Impfung des Kindes zu erstrecken scheinen, ungeachtet der im gesellschaftlichen Normalzustand üblicherweise geltenden Rechtslage 19.

Wachsender Widerstand

Diese Vorgänge lösen bei einer Minderheit von Ungeimpften eine erhebliche Reaktanz, psychodynamisch gesprochen: einen immer vehementer werdenden Widerstand gegenüber den experimentellen Impfstoffen aus. Es steht auf der Basis sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse, z. B. nach Solomon Asch, zu vermuten, dass dieser Anteil bei 10-20% der Bevölkerung, bleiben könnte. Diese bilden gegenüber der Geimpften-Ingroup nun eine, sich mit zunehmender Diskriminierung konfrontiert sehenden, Outgroup. Diese Ungeimpften-Outgroup betont immer stärker ihr Recht auf individuelle Impf-Entscheidung, beschäftigt sich offenbar wesentlich intensiver mit Informationen seitens Kritikern der mRNA-Technologie, mit potenziellen, schädlichen Nebenwirkungen und Spätfolgen einer Annahme der Impfung (wie Antibody Dependent Enhancement, Autoimmunerkrankungen, GuillainBarré-Syndrome, MIS-C etc.) sowie mit der Befürchtung der Entwicklung zunehmend totalitärer Strukturen der Organisation von Staat und Gesellschaft.

Parallelgesellschaft der Ungeimpften

In der Ungeimpften-Outgroup scheint es allmählich, aber immer deutlicher zu einer engen Solidarisierung und Vernetzung zu kommen, etwa um Probleme mit dem Einkauf bestimmter Güter zu lösen, die Schulbildung Corona-ungeimpfter Kinder abzusichern, etwa durch Gründung von Ergänzungs- bzw. Ersatzschulen 20, sie vor der als bedrohlich wahrgenommenen mRNA-Impfung zu schützen, sich aktivistisch zu verbünden, gerichtlich zu klagen, um nur einen Ausschnitt der vielfältigen Prozesse innerhalb der Ungeimpften-Outgroup zu benennen. Diese Solidarisierung und, in kleinen Teilen, Radikalisierung der Position, begünstigt natürlich auch auf der Seite der Ungeimpften die Bildung von Group Think.

Differenzierung? Fehlanzeige.

Unter der Voraussetzung des Zutreffens der obigen Annahmen, besteht die sich entwickelnde Spaltung aus folgenden Elementen: Die Bevölkerung teilt sich in eine Geimpften-Ingroup, welche eine Zweidrittelmehrheit, Dreiviertelmehrheit oder vielleicht sogar eine 90% Mehrheit bilden wird. Den anderen Pol bildet eine deutliche Minderheit der Ungeimpften-Outgroup. Diese Konstellation begünstigt die Bildung einer besonders dem Anschein nach außen homogenen, sich erzwungenermaßen aus Reaktanz und faktischer Notwendigkeit abgrenzenden und solidarisierenden Ungeimpften-Outgroup, welche von der Ingroup der Geimpften zukünftig womöglich leicht erkennbar sein wird 21. Bereits heute hat sich bei Begegnungen von untereinander weniger Bekannten Menschen die rasche Frage nach dem Impfstatus etabliert, wobei: „Bist du schon geimpft?“ nicht mehr jegliche Impfung, sondern nur noch die Corona-Impfung konnotiert. Die Differenzierung, wer welche Impfungen erhalten hat, oder ob jemand grundsätzlich gegen Impfungen eingestellt ist, oder nur der Corona-Impfung misstraut, ist hier bereits unter den Tisch gefallen.

Den „Leprösen“ das Leben schwer machen

Die Spaltung in die Geimpften-Ingroup und die Ungeimpften-Outgroup entfaltet nun potenziell eine aggressionsregulierende Funktion in der Gesellschaft. Die harten Corona-Maßnahmen, welche die Regierungen und Verwaltungen der jeweiligen Staaten verhängt hatten und haben, wie z. B. Lockdowns, Social Distancing, AHA-Regeln, haben teils drastische Auswirkungen auf andere Bereiche der Gesundheit, wie z. B. Suizidrate, die Prävalenz psychischer Störungen, außerdem erhebliche ökonomische Verwerfungen wie Insolvenzen, eine dramatische Ausweitung der Staatsquote, bislang nicht dagewesene Einschränkungen von Grundrechten und etliche weitere Konsequenzen gezeitigt 22. Außerdem hat die Durchsetzung der Maßnahmen in der Bevölkerung vermutlich ein hohes Ausmaß an Reaktanz, an Aggression als Reaktion auf das Erdulden-müssen der Einschränkungen ausgelöst, welche von den Bürgern reguliert werden musste. Die Annahme der Corona-Impfungen in der Geimpften-Ingroup reguliert diese Aggression durch Verdrängung und kognitive Dissonanzreduktion nun herunter. Aus der Psychodynamik ist uns aber bekannt, dass verdrängte Affekte stets wieder ins Bewusstsein drängen. Die politischen Akteure könnten neben ihrer Überzeugtheit von den Maßnahmen auch vom Bedürfnis, sich und ihre Karriere zu schützen getrieben sein und mehr oder minder bewusst nun die potenzielle Aggression gegen die Politik zu kanalisieren zu versuchen bzw. Schuldabwehr betreiben.
Dass dies der Fall sein könnte, dafür finden sich seit einigen Wochen (Stand August 2021) deutliche Hinweise in den immer radikaleren Äußerungen, den Ungeimpften das Leben schwer machen zu wollen 23 24. Willfährige Unterstützung erfuhren und erfahren sie dabei auch aus der Medizin sowie aus den Medien. 25

Per Impf-Abo in die Befürworter-Falle

Es ist zu beobachten, dass bei Menschen, die sich für eine Annahme der Impfung
entscheiden, der sog. Benjamin-Franklin-Effekt zum Tragen kommt: Benjamin Franklin hatte in seinen Memoiren den Rat erteilt, dass man, wenn man in eine neue Umgebung umzieht, die Nachbarn sobald als möglich um einen Gefallen bitten soll. Die dadurch entstehenden Bindungen würden für eine gute Nachbarschaftsbeziehung sorgen. Der Benjamin-Franklin-Effekt wird heute so verstanden, dass durch kognitive Dissonanzreduktion uns jemand sympathischer, positiver erscheint, wenn wir ihm einen Gefallen tun, seinen Wünschen nachkommen. In Bezug auf die Annahme der Corona-Impfung sorgt dieser Effekt vermutlich dafür, dass Personen, die die Impfung erhalten haben, dieser noch weniger kritisch gegenüberstehen und zudem die diese experimentelle medizinische Maßnahme fördernden und vertretenden staatlichen Strukturen ebenfalls weniger kritisch betrachten.

Neid der Geimpften auf die Ungeimpften

Die Ingroup der Geimpften ist zudem mit der permanenten Erzeugung kognitiver Dissonanz durch die Existenz sowie den Kontakt mit der Ungeimpften-Outgroup konfrontiert. Dies löst potenziell neben dem Bedürfnis der Dissonanzreduktion auch aggressive Reaktionen bei Gesprächen gegenüber ungeimpften Gesprächspartnern aus. Dissonanzreduktion durch Entwertung von Ungeimpften erfolgt dann beispielsweise durch Labeling als Verschwörungstheoretiker, Corona-Leugner; durch Verunglimpfung als lächerlich paranoider Impfgegner oder Wissenschaftsleugner. Die Geimpften-Ingroup scheint außerdem zunehmend dazu zu neigen, die Outgroup der Ungeimpften als egoistisch, unsolidarisch, aber auch als potenzielle Gefährder wahrzunehmen, welche die Pandemie verlängern, indem sie als „Bruststätte“ für neue Virusvarianten dienen, das Gesundheitssystem überlasten oder andere Menschen als „Superspreader“ krank machen. Außerdem wird der Vorwurf erhoben, dass, „die Pandemie schon längst zu Ende sein könnte, wenn wir ausschließlich alle geimpft wären.“ Diese Wahrnehmung der Ungeimpften wird durch vereinzelte, aber medial weit getragene Äußerungen von Politikern, meistens aus der zweiten Reihe, unterstützt, so zum Beispiel die Bezeichnung von Ungeimpften als „gefährlicher Sozialschädling“ durch den FDP-Politiker Rainer Stinner im August 2021 26. Nicht zuletzt, kommt unbewusst ein Gefühl von Neid auf die Unabhängigkeit der Ungeimpften auf, den Anweisungen zu trotzen und trotzdem noch keine erheblichen Nachteile zu haben.

Auch Ungeimpfte spalten

Aber auch in der sich bildenden Outgroup der Ungeimpften wird die Spaltungstendenz verstärkt, und es entwickeln sich eigene Prozesse von Group Think. Die immer deutlicher empfundene Androhung aber auch Umsetzung von mehr und mehr diskriminierenden Maßnahmen führt zu einer stärkeren Solidarisierung untereinander und zu einem Konflikt an zwei Fronten: einerseits durch die Reaktanz gegenüber der Politik, die die Pandemie-Maßnahmen beschließt und für Diskriminierung verantwortlich gemacht wird, andererseits durch die entstehenden Konflikte mit Vertretern der Geimpften, meist in privaten Kontakten, von denen sich die Ungeimpften nicht verstanden fühlen in ihrer Entscheidung: Hier kommt es zu Vorbehalten und Vorwürfen gegenüber der Geimpften-Ingroup, da deren Vertreter für unkluge „Konformisten“, „Untertanen“, „Schafe“ oder unselbständige Mitläufer gehalten werden, die blind der Machtausübung ihrer Regierung vertrauen würden und sich mit dem Staatsinterventionismus verbündeten. Dabei befürchtet man, dass die Geimpften durch ihr Mitläufertum der Etablierung eines dritten Totalitarismus auf deutschem Boden Vorschub leisten könnten. Insgeheim und auch offen wirft man den Geimpften vor, sich ebenfalls unsolidarisch zu Verhalten, „da die Pandemie schon längst vorbei sein könnte, wenn sich alle den totalitären Maßnahmen widersetzen würden“. Maßgeblich ist dabei die Einschätzung, dass das Virus höchstens moderat gefährlich sei und die Schädlichkeit der Maßnahmen für Gesundheit, Ökonomie sowie Freiheit und Rechtsstaatlichkeit sich als ungleich größer erweise.

Spaltung mündet in Impf-Apartheid

Beide Prozesse verstärken die Spaltung, die einen immer geringeren Austausch der
grundlegenden Positionen der Geimpften-Ingroup und der Ungeimpften-Outgroup zur Folge hat, verstärkt durch Politik und Medien, die abweichende Positionen zunehmend aus dem öffentlichen Diskurs zu eliminieren versuchen. Ist die Spaltung vollständig, kann sich die Politik vor Schuldzuweisungen, Regressforderungen oder negativen Konsequenzen durch die öffentliche Wahrnehmung schützen, indem sie diese nutzt, um die beiden Gruppen der Geimpften bzw. Ungeimpften gegeneinander zu positionieren. Dies würde ihr einerseits die Zustimmung eines Großteils der Geimpften und damit der Bevölkerung sichern und zugleich den potenziell sich entwickelnden Protest und politischen Impact der Ungeimpften-Outgroup abschwächen, indem diese sich in einem Zwei-Fronten-Konflikt zusätzlich noch mit der Geimpften-Ingroup auseinandersetzen müssen. Damit wäre eine Impf-Apartheid dann voll etabliert. Zusammenfassend lässt sich das folgende hypothetische Modell in zwei Phasen aufstellen:

Modell der Entstehung einer Impf-Apartheid

In Phase 1 verstärken staatliche Akteure und Institutionen im Verbund mit Medien und ausgewählten Vertretern der Wissenschaft die Aufteilung in die beiden Gruppen der Geimpften und der Ungeimpften. Dies geschieht durch verdeckte und offene Benachteiligung von Ungeimpften, bis hin zu Maßnahmen direkter Diskriminierung, bei gleichzeitiger Privilegierung der Geimpften durch Wiederausstattung mit vorab entzogenen Grundrechten und anderen „Privilegien“, wie auf Tests verzichten zu können, nicht mehr in Quarantäne gehen zu müssen oder wieder durchgehend Sportvereine und Veranstaltungen besuchen zu dürfen. Die vertikale Aggression der betroffenen Bürger als Reaktanz auf die durchgesetzten, teils drakonischen Corona-Maßnahmen beginnt, sich in der Horizontalen zu kanalisieren, zwischen der zunehmend anwachsenden Gruppe der Geimpften und der schrumpfenden Gruppe der Ungeimpften, die alsbald eine echte Minderheit bilden. Durch kognitive Dissonanzreduktion wird die Zustimmung der Geimpften gegenüber weiteren drastischen staatlichen Interventionen stabilisiert, siehe Benjamin-Franklin-Effekt.

In Phase 2 rückt bildlich die Geimpften-Ingroup als Barriere zwischen die Ungeimpften und die staatlichen Obrigkeitsstrukturen. Dadurch wird Aggression in der Horizontalen zwischen den Bürgern kanalisiert und potenzieller Protest nach oben reibt sich in der Auseinandersetzung auf, entfaltet dadurch keinen nennenswerten Impact des Protests gegen den Staat und seine Akteure. Die Machtabsicherung wäre somit erfolgreich.

Der Staat als Nutznießer der Spaltung

Die Spaltung erzeugt aber potenziell auch eine Umkehr der Verteilung zwischen Misstrauen und Vertrauen in den westlichen Gesellschaften. Das westliche Modell freiheitlicher Demokratien basiert maßgeblich auf einer Verteilung von Vertrauen und Misstrauen, in der die Erkenntnis vorausgesetzt wird, dass Macht immer das Potenzial hat, zu korrumpieren.
Deshalb sind die Institutionen in vielfältiger Weise mit „Checks and Balances“, mit
Kontrollmechanismen und -organen ausgestattet, welche Macht begrenzen und kontrollieren sollen. Es herrscht also ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber unkontrollierter Machtausübung. Der Staat als Repräsentant der Bürger wiederum dient dazu, Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen das Vertrauen zwischen Mensch und Mitmensch in einer Gesellschaft maximiert werden kann.
Durch die Förderung von Spaltungsprozessen zur Machtabsicherung und zum politischen Selbstschutz kehrt sich dieses Verhältnis nun um: Das Vertrauen in die staatlichen Entscheidungen und Interventionen soll maximiert werden, während das Vertrauen zwischen den zuvor eingeteilten Gruppen der Bevölkerung in Geimpfte und Ungeimpfte minimiert wird.

Mit anderen Worten:
Es kommt zur Umkehrung des Verhältnisses von vertikalem Misstrauen und horizontalem Vertrauen hin zu vertikalem Vertrauen und horizontalen
Misstrauen.

Risiken der Destabilisierung durch Spaltung

Dieser Spaltungsprozess beinhaltet aber große Risiken politischer und gesellschaftlicher Destabilisierung in zwei Richtungen: Einmal kann die staatliche Förderung von Spaltung zwischen den Menschen zu einem gesellschaftlichen und politischen Zerfall auf der horizontalen Ebene zwischen den Bürgern führen; ein andermal könnte die Überreizung der staatlichen Maßnahmen der Diskriminierung und Machtzentralisierung auch zu einer Solidarisierung auf der horizontalen Ebene zwischen den Bürgen bei gleichzeitigem endgültigen Verfall des Vertrauens in die staatlichen Institutionen und zu offener Ablehnung ihrer Interventionen führen. In beiden Fällen besteht ein erhebliches Risiko der Destabilisierung der betroffenen Gesellschaft. Besonders gefährlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt scheint die Eskalation der Spaltung zwischen den Bürgern zu sein. Da die Gruppen einen deutlichen Größenunterschied aufweisen werden, der bei Vielleicht 80% Geimpfter zu 20% Ungeimpfter oder noch extremer liegen könnte, sind u. a. folgende eskalatorische Prozesse denkbar:

Flächendeckend 2G: 3.12.21 eingeführt

Es wäre möglich, dass sich die Diskriminierung von Ungeimpften auch verstärkt auf der horizontalen Ebene zwischen den Bürgern ausdrückt, welche aus Gründen der kognitiven Dissonanzreduktion mehr und mehr bekämpft werden müssen. Prozesse analog zur Opferentwertung könnten dabei, induziert durch die Entwertung der Perspektiven und der Kritik seitens Ungeimpfter bzw. Impfkritikern, durch staatliche und mediale Akteure, verstärkt zum Einsatz kommen. Auch ist eine weitere Eskalation von diskriminierenden Maßnahmen seitens der staatlichen Machtstrukturen nicht mehr auszuschließen. Infrage kämen etwa die Einschränkung oder Verweigerung medizinischer Behandlung für Ungeimpfte, Berufsverbote, Einschränkung oder Verweigerung von Teilhabe an Kultur, Sport und Bildung, bis hin zur Blockierung des Zugangs zu Elementen der Grundversorgung wie beispielsweise dem Verbot, Nahrung in Supermärkten zu kaufen, indem Hausverbot erteilt wird. Staatliche Akteure sind bereits aktuell dabei, diese Maßnahmen indirekt umzusetzen, indem sie diese sowie die Kontrolle ihrer Umsetzung in das Hausrecht von Vereinen und kommerziellen Geschäften legen 27.

Holzschnittartiges Denken begünstigt Gewalt

Bei Fortgang der aktuell bereits laufenden Prozesse, kann es aufgrund der Spaltung zu einer Bildung von Parallelgesellschaften, besonders in der Minderheit der Ungeimpften kommen, die bereits beginnen, sich untereinander zu solidarisieren.

Die Reduktion von Mitmenschen auf wenige, bzw. ein einzelnes Merkmal kann unter
widrigen Umständen zu einer Regression zu Massenbewegungen führen, mit der die
Aktivierung von massenpsychologischen Phänomenen einhergehen würde. Dazu würde die verstärkte Bereitschaft zählen, negative Eigenschaften auf die jeweils andere, als feindlich wahrgenommene, Gruppe zu projizieren und die negativen Eigenschaften gleichzeitig bzgl. der eigenen Gruppe aus dem Bewusstsein zu verdrängen. Dies wäre der Vorgang, den Carl Gustav Jung als „Schattenprojektion“ bezeichnet hatte, und dem bei der Entstehung von Gewalt gegen und zwischen Gruppen eine bedeutende Rolle zukommt.

Gefahr eines Bürgerkriegs?

Sind projektive Prozesse in Massenphänomenen einmal etabliert, könnte es bei weiterer Eskalation zudem zu Einzelepisoden von Gewalt gegen Ungeimpfte kommen, die besonders bei strafrechtlich nachlässiger Verfolgung zu weiterer Eskalation bis hin zu Selbstjustiz und Racheakten seitens extremisierter Ungeimpfter führen könnten. Vereinzelt finden sich auch hierfür durchaus sprachlich drastische Belege 28. Spätestens dann wäre das analoge Muster eines gewalttätigen konfessionellen Konfliktes zwischen radikalisierten Ansichten erreicht.
Dann allerdings wäre die Gefahr eines Bürgerkriegs, heiß oder kalt keine vollends
implausible Möglichkeit mehr. Eine derart eskalierte Spaltung begünstigt darüber hinaus die Etablierung längerfristiger totalitärer Staatsstrukturen, mit dem Argument, die Sicherheit der Bürger nur noch mit massiven Grundrechtseinschränkungen gewährleisten zu können.

… oder Solidarität von Geimpften und Ungeimpften?

Es ist andererseits aber auch ein weiteres Szenario denkbar. In diesem könnte es zu einer umfassenden Solidarisierung von Geimpften mit Ungeimpften kommen, angesichts einer zu forschen Diskriminierung durch staatliche Maßnahmen. Dieses Szenario scheint sich Stand August 2021 in Frankreich zu entwickeln, wo die Regierung massive Reaktanz und Solidarität zwischen Geimpften und Ungeimpften ausgelöst hat, mit noch ungewissem Ausgang. In diesem Szenario könnte es zu einem eskalierenden Konflikt zwischen dem Staat und seinen Bürgern kommen, mit dem Risiko einer erheblichen Destabilisierung der Gesellschaft in Form einer Revolution oder eines massiven Einschreitens des Staates, mit dem Ziel durch Etablierung eines totalitären Systems die Absicherung der eigenen Macht zu betreiben.

Der Mensch als des Menschen Wolf

Gleichgültig, welches Szenario man annimmt, in jedem Fall erscheint es als äußerst riskant, vorhandene Bruchlinien in der Gesellschaft zu verstärken, Spaltung von staatlicher Seite voranzutreiben, um die eigene Macht abzusichern.
Wird die derzeitige Strategie, die Umsetzung diskriminierender Maßnahmen jenseits
hoheitlicher Rechte in die Hände von privaten und öffentlichen Einrichtungen zum freien Entscheid zu legen (2G oder 3G) fortgesetzt, kommen zu den bisher beschriebenen
sozialpsychologischen Mechanismen noch diejenigen der Milgram-Experiments sowie des Stanford Prison-Experiments hinzu: In Ersterem waren Probanden zum Einsatz sogar tödlicher Folter bereit, wenn sie die Verantwortung dafür abgeben konnten, in letzerem kam es zu sadistischen Misshandlungen durch die willkürlich eingesetzten „Wärter“ in der Gefängnis-Simulation, da sie die ihnen zugeteilte Macht missbrauchten. Ähnliche Prozesse sind in Kombination durchaus nicht auszuschließen, wenn die Spaltung der Gesellschaft weiter eskaliert bzw. eskaliert wird.

Mut zu Meinungsfreiheit!

Um dieser drohenden Spirale des gesellschaftlichen Niedergangs zu entgehen, wäre es dringlich geboten, der Spaltung entgegenzuwirken. Dazu müssten sichere
Rahmenbedingungen geschaffen werden, in denen alle Positionen zu den aktuellen
Problemen ohne Furcht vor Repressalien oder negativen Konsequenzen zum Ausdruck gebracht werden können. Freiheit auf dem Markt der Meinungen müsste wiederhergestellt werden und einer Vielfalt der Reaktionsmöglichkeiten auf die Krise Raum geben. Der seitens der deutschen politischen Akteure immer wieder zu vernehmende Satz: „Jeder kann doch frei seine Meinung ausdrücken; er muss eben mit den Konsequenzen leben können!“ ist dementgegen wohl gerade diejenige Strategie, die in die eskalierende Spaltung führt und damit in die gesellschaftliche Desintegration.

Gleichgültig, ob Person des öffentlichen Lebens oder Privatperson, sollte man sich also fragen:

Wie kann ich der Spaltung entgegenwirken?


Fußnoten:

1. Querdenker-Bewegung

Die Querdenker-Bewegung wurde durch Michael Ballweg maßgeblich organisiert und bildete den ersten öffentlich wahrnehmbaren Protest gegen die Corona-Maßnahmen. Sukzessive wurden viele Maßnahmen-Kritiker teilweise unabhängig von ihrer fachlichen Qualifikation oder politischen Einstellung in die Querdenkerszene eingeordnet und medial als „rechts“ etikettiert.
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2. Covid-idioten

Beispiel: Saskia Esken, SPD, verwendete diesen Begriff im Sommer 2020 anlässlich maßnahmenkritischer Demonstrationen und löste damit eine Debatte aus. https://www.zdf.de/nachrichten/politik/spd-chefin-saskiaesken-steht-zu-covidioten-aussage-100.html
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3. Einteilung

Die Einteilung nimmt der Historiker Daniele Ganser in einem Vortrag zur Corona-Pandemie vor. Sie wird hier aus Gründen der Nützlichkeit aufgegriffen.
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4. Lockdown für Ungeimpfte

Lockdown für Ungeimpfte ab September in Baden-Württemberg? 2G-Regel als Option für Restaurants, Kinos etc.?
Quelle: https://www.merkur.de/welt/corona-deutschland-lockdown-ungeimpfte-bawuekontaktbeschraenkungen-2g-kritik-intensiv-covid-19-90948116.html
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5. Erleichterungen für Geimpfte

https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/coronavirus/erleichterungen-geimpfte-1910886
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6. Konformität nach Asch

Siehe bspw.: Asch, S.E. (1956). „Studies of independence and conformity. A minority of one against a unanimous majority“. Psychological Monographs. 70 (9): 1–70.
Für eine kurze Darstellung: https://en.wikipedia.org/wiki/Asch_conformity_experiments
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7. Konditionierung

Gut erklärt zu finden im „Zimbardo“, Lehrbuch der Psychologie: Philip G. Zimbardo: Psychologie. Springer, 2013, ISBN 978-3-662-22364-2.
Kürzer: https://en.wikipedia.org/wiki/Operant_conditioning
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8. Group-Think

Janis, I. L. (November 1971). „Groupthink“ (PDF). Psychology Today. 5 (6): 43–46, 74–76. Archived from the original on April 1, 2010 und: Janis, I. L. (1972). Victims of Groupthink: a Psychological Study of ForeignPolicy Decisions and Fiascoes. Boston: Houghton Mifflin.
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9. Kognitive Dissonanz

Leon Festinger: Theorie der Kognitiven Dissonanz. Huber Verlag Bern, 2012 (ISBN 978-3-456-85148-8), unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1978 (ISBN 3-456-80444-X), Verlag Hans Huber.
Einigermaßen ausführlich auch hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Dissonanz#Dissonanzaufl%C3%B6sung_bzw._-reduktion
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10. Abwehrmechanismen

Karl König: Abwehrmechanismen. 2. Auflage. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 1997
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11. mRNA Impfstoffe

Die Europäische Arzneimittel Agentur EMA hat die Zulassung der mRNA Impfstoffe unter Auflagen erteilt, dass diese in weiteren, besonders Langzeitstudien ihre Wirksamkeit und Sicherheit weiter erforschen und nachweisen müssen. Siehe bedingte Zulassung. Eine Studie konnte zeigen, dass komplexe Impfstoffe im Durchschnitt 13 Jahre bis zur Marktreife benötigen. Langzeitstudien sind, da sie die nötige Zeitreihe erfordern, kaum teleskopierbar und dauern 3-5 Jahre.
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12. Hashtag Vaccinated

#Vaccinated beispielsweise auf Twitter oder Instagram eingeben
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13. Corona-Leugner

Z. B. hier: https://www.mdr.de/brisant/ratgeber/corona-leugner-arzt-100.html oder einfach eine online-Suche mit dem Begriff durchführen.
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14. Ritual

Turner, Victor W. (2005):Das Ritual. Struktur und Anti-Struktur. Neuauflage. Campus, Frankfurt/New York. Erstausgabe 1969
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15. Verfallsdatum der Impfung

Hinweis z. B. hier: Shrotri, Madhumita et al. (2021). Spike-Antibody Waning after Second Dose of BNT162b2 or ChAd0x1. Lancet
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16. Bestrafung der Ungeimpften

https://www.berliner-kurier.de/politik-wirtschaft/rostock-ob-will-ungeimpften-das-leben-schwerer-machendu-willst-nach-malle-okay-aber-bitte-nur-geimpft-li.167715, https://www.focus.de/perspektiven/nachaeusserung-von-kanzleramtschef-der-lockdown-fuer-ungeimpfte-rueckt-immer-naeher_id_13528800.html
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17. Freiwillige 2G-Option

https://www.stern.de/politik/niedersachsen-fuehrt-freiwillige-2g-option-fuer-gastro–kultur-und-sport-ein30742642.html
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https://www.fda.gov/regulatory-information/search-fda-guidance-documents/guide-informed-consent; https://de.wikipedia.org/wiki/Informierte_Einwilligung
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19. Einwilligungsfähigkeit von Jugendlichen

„Von 14 Jahren bis 16 Jahren komme es auf die konkrete Einwilligungsfähigkeit des Jugendlichen an. Sei diese gegeben, genüge dessen Einwilligung. Sei sie nicht gegeben, müssten die Eltern zustimmen. Vor Vollendung des 14. Lebensjahres sei die Einwilligungsfähigkeit grundsätzlich nicht gegeben, so dass die Eltern zustimmen müssten. Doch auch hier könne es im Einzelfall Ausnahmen geben, wenn der Jugendliche für sein Alter schon sehr reif sei.“ – Prof. Josef Lindner, Medizinrechtler der Universität Augsburg im Gespräch mit dem BR: https://www.br.de/nachrichten/bayern/corona-impfung-ab-12-jahren-muessen-eltern-eigentlichzustimmen,Sdhai6A
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20. Ersatzschule

Persönliche Mitteilung durch Mitglieder einer privaten Elterngruppe.
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21. Kennzeichnungspflicht

Ideen und Versuche einer Kennzeichnungspflicht für Ungeimpfte kursieren bereits, z. B. https://www.tonline.de/nachrichten/panorama/id_90661104/corona-europa-park-markiert-ungeimpfte-mit-farbigenarmbaendern.html
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22. Suizidale Tendenzen

Während die Studienlage zu den Auswirkungen von Lockdowns auf die psychische Gesundheit in der Regel derzeit noch eher kleinere Effekte ausmacht, zeigt die Erfahrung in der Praxis im erweiterten Kollegenkreis eine sehr deutlich gestiegene Konsultationsrate für Psychotherapie, besonders bei Kindern und Jugendlichen.
Z. B. https://europepmc.org/article/PMC/PMC8011375
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23. Ungeimpften das Leben schwer machen

Siehe Beispiele oben.
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24. Lohnfortzahlung

Kein Lohnersatz mehr für Ungeimpfte (trotz Steuerzahlungen): https://www.tagesschau.de/inland/coronalohnersatz-101.html
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25. Druck auf Ungeimpfte erhöhen

https://www.bz-berlin.de/deutschland/montgomery-druck-auf-ungeimpfte-erhoehen-bundesweit-2g-regeleinfuehren
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26. Ungeimpfte als „Sozialschädling“

https://www.tichyseinblick.de/kolumnen/stephans-spitzen/vorwaerts-im-kampf-gegen-hass-und-hetzrede/
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27. 2G-Testballons

https://www.ndr.de/nachrichten/hamburg/coronavirus/Corona-Hamburg-fuehrt-2G-Regelung-ab-Sonnabendein,corona8602.html
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28. Drastische Sprache

Ein mir vorliegendes Zitat, das ein aufgebrachter Mensch einer ihm langjährigen Bekannten schickte, nachdem sie sich kritisch über die Corona-Impfungen geäußert hatte: „Ich habe 3 Menschen in meinem Bekanntenkreis, die dir für deine Corona-Verleugnungssprüche direkt in deine verunstaltete Fresse schlagen würden und dabei noch Olé schreien würden, weil sie liebe Angehörige durch unmittelbaren Corona-Einfluss verloren haben. Und es ist ihrer guten Erziehung zuzuschreiben, dass sie deine Fratze nicht mit Fußtritten bearbeiten!!! Deine Dummheit macht dich sehr hässlich.“ Weitere Zitate zu finden in https://www.achgut.com/artikel/corona_als_massenpsychose
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