Gastbeitrag: Thou shalt honour your father and mother

Beitragsbild von artsybee auf pixabay

Ein Realbeitrag von Volker Kuhn

Ich bitte vielmals um Entschuldigung.
Wie konnte ich nur denken, wir befänden uns NICHT in der größten Pandemie aller Zeiten?

Wie konnte ich nur denken, dass allerorts alle Fachkräfte NICHT über Notfallszenarien im Bilde sind?

Wie konnte ich nur denken, dass Kommunen eine professionelle Info-Hotline haben – oder aktuelle Links auf den Webseiten?

Wie konnte ich nur denken?

An einem Tag im April:

Anruf des Pflegeheims meines fast 92jährigen Vaters (übrigens eine Station des Heimes, die seinerzeit trotz sehr guter Vorarbeit der Heimleitung vergessen hat, ca. 25 Betreuten die Kommunalwahlunterlagen (NRW) auszuhändigen):

„Ihr Vater ist positiv getestet.“

Anmerkung 1 : Antigentest
Anmerkung 2: das ständige Testen haben wir „eigentlich“ am 25.12.2020 schriftlich untersagt, genau wie auch das Impfen

„Und nun?“

„Jetzt wird das Gesundheitsamt informiert und die machen dann einen PCR-Test.“

„Ok, danke.“

Anmerkung 3: da der Zutritt zu Pflegeeinrichtungen nur mit einem aktuellen Test erlaubt ist und ich mich konsequent weigere, mich für was auch immer testen zu lassen, besteht der Kontakt leider nur aus Telefonaten (auch in Absprache mit meinem Vater) oder einem Treffen vor der Tür und einer gemeinsamen E-Rollstuhl-Rallye, was aber im ersten Quartal 2021 wegen dauernder undurchsichtiger Quarantäneregelungen nicht der Fall war.
(Anmerkung 4: woher kommt dann die angebliche Infektion?)

Anruf bei meinem Vater:

„Wie fühlst Du Dich?“

„Wie immer, ich hab garantiert nichts.“

Mein Vater ist an Lungenkrebs erkrankt – soweit ich weiß, eine durchaus relevante Atemwegserkrankung. Aber er freut sich einfach über jeden Tag, den er aktiv noch gestalten kann.

Die Webseite der Stadt Essen gibt eine Fülle von Telefonnummern preis, von denen die eine angeblich bis 18 Uhr besetzt ist, inzwischen aber stillgelegt wurde und der Anrufbeantworter auf die Bürgertelefon-Nummer verweist, die, passend zur schlimmsten Seuche seit Menschengedenken, wochentags von 8 bis 16 Uhr erreichbar ist. Da ich interessehalber einfach die Qualität des Services testen wollte, kam ich um 17 Uhr natürlich zu spät.

Zwischenzeitlich aber ein Anruf bei der Pflegedienstleitung – angeblich liegt der Widerspruch gegen regelmäßiges Testen nicht vor, nur von dem gegen eine Impfung wisse man.
Es waren zwei Dokumente, die man mir auf der Station freundlicherweise auch kopierte.
Aber man vergisst ja auch mal Wahlunterlagen oder bemüht den MDK telefonisch, um eine Pflegegraderhöhung auf Basis falscher Tatsachen und ohne Unterschrift meines Vaters oder meiner Wenigkeit zu erreichen.

Tags darauf: Anruf auf der Station:

„War das Gesundheitsamt denn schon da?“

„Nein, aber die Hausärztin hat den PCR-Test gemacht.“

(Donnerstags ist sie sowieso im Haus, also unterstelle ich einmal, dass die Antwort „Ja.“ auf meine Frage „Ist das mit dem Gesundheitsamt also abgesprochen?“ nicht der Wahrheit entspricht, zumal ich zwei Fachkräfte fragen musste, wie denn der generelle Prozess bei einem positiven Test so aussieht.

Wieder Tags darauf: Erneuter Anruf auf der Station:

„Ist mein Vater jetzt positiv oder negativ?“

„Positiv“

Aha.

Gegencheck. Anruf bei meinem Vater:

„Haben sie Dir was gesagt?“

„Ja, da ist nichts.“

Da dies natürlich im Gegensatz zur Aussage der Station steht, erneuter Anruf dort. Ergebnis: Man teilt mir gar nichts mehr mit, sondern verweist an die Pflegedienstleitung des Heimes.

Dort erreiche ich nach mehrfachen Versuchen leider nur jemand Fachfremdes aus dem Sekretariat und teile freundlich erbost mit, dass man jetzt genau 10 Minuten Zeit für einen Rückruf bei mir habe, um mir mitzuteilen, warum mein Vater widerrechtlich festgehalten wird, denn unser Plan bestand ja darin, uns mal wieder vor der Tür zu treffen und das Grab meiner Mutter zu besuchen. Andernfalls stünde ich dann in 60 Minuten mit der Polizei vor der Tür.

Das kam wohl dermaßen schräg rüber, dass meine Gesprächspartnerin lachen musste. Soll sie ruhig.

Keine zehn Minuten später erfolgte dann aber der Rückruf – hossa, es gab noch einen weiteren PCR-Test, Ergebnis noch offen. Gut, ein 92-Jähriger kann das schon mal vergessen in dieser ganzen Hektik, aber eine Pflegestation kann mir das ja wohl mal direkt mitteilen, dann hätte ich mir das Szenario mit der Polizei aufgespart für das nächste Mal.

Es ist also festzuhalten:

1 Antigentest  – positiv, daher

1 PCR Test – negativ, dem traut die **zensiert** Hausärztin aber nicht, daher

1 Antigentest – positiv, dem traut die **zensiert** Hausärztin nicht, daher

1 PCR Test – negativ.

Das hätte jetzt so weiterlaufen können, wenn nicht eine freundliche diensthabende leitende Pflegekraft am nächsten Tag bei meinem Anruf, in dem ich dann vom negativen Ergebnis des letzten Tests erfuhr, einfach gesagt hätte:

„Wir hören jetzt einfach mal auf, das wird ja viel zu viel und bringt nichts.“

Ende gut, alles gut? Mitnichten.

Ja, man hält sich inzwischen an das Testverbot, aber bei unserer letzten E-Rollstuhl-Rallye erzählte mir mein Vater, dass vor allem die weiblichen Pflegekräfte sich bei ihm regelmäßig darüber beklagen, dass er sich nicht impfen lässt, weil er sie ja so gefährden würde.

Da fällt einem nichts mehr ein.

Am Rande: Die Mutter eines Freundes, 85, verstarb in der letzten Aprilwoche. Kurz vor ihrer diamantenen Hochzeit hatte sie sich impfen lassen. Die nicht seltene Nebenwirkung der Auflösung von Blutplättchen fand bei ihr leider Raum. Sie erlitt eine Hirnblutung, die sie zunächst für einen Schlaganfall hielt und verbrachte ihren Hochzeitstag im Sterbezimmer.

Aber vielleicht denke ich einfach nur zuviel.

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