M(K)ein Freund, der Menschenfeind

Beitragsbild von Leandro De Carvalho auf Pixabay

Dieser Beitrag geht an Dich, die ich meine „Freundin“ nannte.

Wie lange kennen wir uns? Sicher zwölf Jahre.

Zunächst nur (gute) Bekannte, entwickelte sich eine Freundschaft.

Du hast mich damals nach Leipzig begleitet, als ich mein Debüt auf der Buchmesse Verlagen vorstellen durfte – in dem ich Dir eine wichtige Nebenfigur gewidmet hatte.

Ich hab mir die Finger wund gewählt, als es drum ging, einen Tierarzt zu finden, der Deine Kater frühkastriert. Ich hab Dich beide Male begleitet, damit Du nicht allein die weite Strecke fahren musstest.

Wir hatten so viele schöne Stunden gemeinsam, auch wenn wir uns zuletzt seltener sahen, weil Du nicht mehr hier im Ort arbeitest.

Aber der Kontakt brach nie ab.
Bis zum letzten Samstag.

Wir telefonierten und Du wolltest wissen, was mit mir denn los gewesen sei.

Ich berichtete, dass ich beim Renovieren am fast 100 Jahre alten Haus meiner Tochter einen Stromschlag abbekommen hatte und zwecks Abklärung – ich hatte irre Brustschmerzen, die in den linken Arm ausstrahlten und bekam kaum Luft – die 112 gewählt hatte. Und dass die Sanitäter im RTW so einfühlsam waren, Verständnis hatten, dass ich keine Maske aufsetzen konn…

„HA!“, unterbrachst Du mich. „Meine Ella (Deine Tochter ist Rettungsassistentin), die hätte dich NICHT mitgenommen!“

Ich schluckte, traute meinen Ohren kaum – aber in ihnen hallte das Echo Deiner von Zufriedenheit und Wohlgefallen geschwängerten Worte nach.

Wie geschrieben: Ich kenne Dich lange, ich kenne Dich gut. Gut genug, um Deine Gefühle aus Deiner Klangfarbe zu lesen.

Ich schluckte noch einmal, bemühte mich um maximale Sachlichkeit und trennte sämtliche Emotionen in mir ab.

„Du bist ja sehr stolz darauf“, sagte ich so neutral wie möglich, „einen ausgewiesenen Menschenfeind großgezogen zu haben.“

Schweigen auf Deiner Seite der Leitung. Atmen.

„Das ist Körperverletzung“, stellte ich nüchtern fest. „Jemandem, der keine Luft bekommt, eine Maske aufzuzwingen, ist Körperverletzung. Und einen Verletzten liegen zu lassen, weil er das Ding nicht aufzieht, das ist unterlassene Hilfeleistung.“

Mehr Atmen auf Deiner Seite, schwerer, angestrengter.

„Aber Ella hat ganz klare VORSCHRIFTEN!“

Vorschriften.

Vorschriften. Wie oft hörte ich dieses Wort in letzter Zeit?
Zu oft. Viel zu oft.

Ich sagte nichts, wir wechselten das Thema und beendeten irgendwann das Gespräch.

Aber es ließ mich nicht los.
Das, was Du gesagt hattest, und wie Du es gesagt hattest, arbeitete in mir.
Ich konnte nicht schlafen, lag nachts wach.

Und dann spürte ich es:

Du bist toxisch. Deine Tochter ist toxisch.

Menschen wie Du haben durch ihr Wegschauen die dunkelsten Momente in der Geschichte ermöglicht.
Menschen wie Du haben durch ihren unverhohlenen Stolz auf ihre Kinder deren Fanatismus noch befeuert.
Menschen wie Deine Tochter waren es, die Unaussprechliches getan haben – beseelt davon, für einen „höheren Zweck“ „unwertes Leben“, „niedrige Existenzen“ zu vernichten.

Ich will das nicht. Stemme mich dagegen, dass Geschichte sich wiederholt.

Ich mag scheitern dabei. Aber eins kann ich:

Menschen wie Dich aus meinem Leben entfernen.

Deshalb ist Deine Nummer jetzt gesperrt, bist Du bei Whatsapp jetzt geblockt.

Und solltest Du bei mir vor der Tür auftauchen – was ich nicht hoffe – werde ich nicht aufmachen.

Mein Leben ist besser ohne Menschen wie Dich.

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PS: Nein, ich ende nicht mit einem – geheuchelten – „Leb wohl“ oder „Noch ein schönes Leben“.
Denn: Das wünsche ich Menschen wie Dir nicht.
Musste festgestellt werden.

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