#obm2018 | Tag 5 Lektorat

Das A und O jedes SP-Titels, so liest man landauf, landab, sei das professionelle Lektorat – beziehungsweise das Fehlen des selbigen. (Weshalb selbstvöffentlichte Bücher immer und ausnahmslos Schund sind, den sich sorgende Buchhändler selbst zu bestellen weigern – der unmündige Leser könnte ja Schaden nehmen …)

Schon vor meinen ersten Erfahrungen in Sachen Lektorat stimmte mich diese Aussage, gelinde gesagt, skeptisch. 

Weshalb wird das Thema bei SP so hoch gehängt – und über das mitunter mehr als mangelhafte Lektorat von Verlagspublikationen, das mir als Leser aufgefallen war, geschwiegen?

Fragen über Fragen.

Nun habe ich ja das Glück, eine Vergleichsmöglichkeit zu besitzen. Ich will gar nicht mit meinen Erfahrungen bezüglich „Lektorat“ anfangen, meinen Beitrag zu einer Kurzgeschichten-Anthologie betreffend, die meines Wissens nach nie erschienen ist (ich habe irgendwann meinen Beitrag zurückgezogen, weil ich mich außerstande sah, zu behaupten, Kormorane besäßen Daunen und im Bagdad des 9. Jahrhunderts habe es keine Elefanten gegeben – was die vom Verlag beauftragten „Lektorinnen“ entgegen der Faktenlage von mir forderten).

Meine Erfahrungen mit den Probelektoraten, die ich im Vorfeld der Bewerbung mit meinem Debüt bei Verlagen in Auftrag gegeben habe, waren schon eher interessant. Nur eine der vier Lektorinnen nahm überhaupt im Ansatz Rücksicht auf meinen Stil (der inzwischen in Rezensionen, die nach Dutzenden zu zählen sind, von den Lesern lobend hervorgehoben werden). Die anderen stülpten meinem Tect kurzerhand ihre eigenen Lese- und Schreibvorlieben über.

Dann kam aber alles anders als gedacht, ich fuhr zur Keipziger Buchmesse und mein Debüt bekam einen Verlagsvertrag. 

Ich weiß nicht, hätte es mich stutzig machen sollen, dass die Verlegerin mir schrieb: 

„Das Buch hat neben der dramaturgisch gut strukturierten Geschichte einen ganz wunderbaren Ton, dem man sich beim Lesen sehr gerne überlässt.
Was Charaktere und Struktur angeht sehe ich keinerlei Änderungsbedarf. Selbst Sprache und Stil sind nahezu perfekt. Alle nötigen Änderungen sind so marginal, dass man sie dem Korrektorat und nicht dem Lektorat zuordnen muss.“ 

 

Schwer zu entscheiden. Jetzt bin ich schlauer (man lernt wohl nur aus Erfahrung wirklich gut). Und sehr, sehr dankbar.

Für meine allerbeste writing buddy und Alpha-Leserin Ava Blum Bo Leander, die sicher den größten Einfluss auf mein Werk hat, für die zahlreichen Testleserinnen aus meiner „Riege der Schildmaiden“, die mit Anmerkungen und erlegten Tippfehlertrollen nicht sparen – und last, but not least für meine wunderbare „Lektoratsfee“ Sabine Reininger.

Sabine ist ein Geschenk, für das ich den Göttern immer wieder danke. Ich hatte das große Glück, dass sie bei der Leserunde zu „Falkenherz“ teilnahm und mich durch ihr tiefes Eintauchen ins Buch ebenso begeisterte wie durch ihre klugen und kritischen Nachfragen.

Als sie mir anbot, die Veröffentlichung von „Foy“ zu begleiten, habe ich getanzt vor Freude. Inzwischen hat nicht nur jede meiner seither erschienenen Veröffentlichungen von Sabines gelegentlichen Tritten vors Schienbein und ihrer grenzenlosen Gründlichkeit profitiert, sondern auch die grundlegend berarbeitete Printversion von „Die 13. Jungfrau“.

Sabine – ich danke dir! Man spürt, dass du wirklich für das brennst, was du tust!

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