Gastbeitrag: Schule – nur prophylaxehalber, nur zur Fehleranalyse

von Anni Klein, Mutter und unfreiwillige Doña Quichotte im Kampf gegen schuladministrative Windmaschinen

Beitragsbild von  Daniil Kuželev auf Unsplash

Im März 2020 kam der erste Lockdown.

Der Digitalpakt war bis dahin etwas gewesen, für das eine Menge Formulare ausgefüllt und Lobpudelungen ausgesprochen worden waren. Wirklich in den Schulen angekommen war die Digitalisierung (abgesehen von Whiteboards und Cybermobbing Seminaren) aber nicht.

Plötzlich standen Lehrer und Eltern vor dem Problem Homeschooling, das mit vereinten Kräften und der Hoffnung auf eine einmalige, zeitlich begrenzte Katastrophe mehr schlecht als recht gemeistert wurde.

Als der Schulbetrieb dann wieder anlief (probeweise in verschiedenen Wechselmodellen) kam bald darauf auch die erste Elternkonferenz und kurz danach die Schulkonferenz. Zu dieser gesellte sich auch ein Vertreter des Schulamtes, der uns versicherte, dass die Einladung, die Schulleitung und Schulelternsprecher kurz vorher zu einem Workshop des Bildungsministeriums (Thema Schulcloud oder Klassenraum) für November (!) erhalten hatten, eine reine Prophylaxe und nur zur Fehleranalyse wäre.

Eine weitere Schulschließung würde es nicht geben, immerhin hatte man die Schulleitung ja tagelang mit ordnerweise zu erarbeitenden Hygienekonzepten von der Arbeit abgehalten.

Es wurde auch noch viel darüber gejammert, das zwar Gelder bereitstünden, aber kein Unternehmen den Auftrag des Schulamtes für die benötigte Menge Laptops/Tablets annehmen wolle/könne.

Die Idee der Eltern, den Auftrag vielleicht auf mehrere Firmen aufzuteilen wurde als abwegig abgetan (ganz nebenbei, wir haben jetzt Februar 2021 und die Problematik steht weiterhin ungelöst im Raum).

Aber das ist halt Deutschland, an sowas gewöhnt man sich irgendwann und dann waren da ja auch erstmal Sommerferien. Seltsame Ferien, mit Urlaub im heimischen Garten statt in Alaska aber immerhin Ferien.

Zeit, die vom Ministerium ja dazu hätte genutzt werden können, um Notfallpläne und Lockdown-Bildungskonzepte oder den Internetzugang der Schulen zu erarbeiten/auszubauen …

So blöd können auch nur Eltern denken!

Die Schule ging wieder los, das Disaster genauso unvorbereitet wie im März weiter.
Als große Krönung wurde dann Ende Oktober der für November geplante Schulcloud oder Klassenraum Workshop (wir erinnern uns: rein prophylaxehalber nur zur Fehleranalyse) pandemiebedingt abgesagt.

Wir schlitterten also unvorbereitet wie eh und je in die nächste komplette Schulschließung.

Eltern und Lehrer gaben sich alle Mühe, trotz fehlenden oder zu schwachen Internetverbindungen und mangelndem technischen Equipment den Distanzunterricht irgendwie am Laufen zu halten.

(Und was manche Schulen hier geleistet haben ist wirklich bemerkenswert. Hut ab, vor Lehrkräften die mit ihrem PrivatPkw und auf eigene Kosten 2x wöchentlich mehrere Dörfer abfahren um den Kindern ihre Aufgaben zu bringen)

Aber irgendwann geht auch der besten und engagiertesten Mutter die Puste aus.

Die Kinder zu motivieren und nach 5 Wochen lerntechnisch bei der Stange zu halten, ist die eine Leistung. Wir sind aber alle keine hochstudierten-allwissenden Supermuttis, die sich zwischen eigenem Job, Haushalt und Essen kochen mal eben die kindgerechte Erklärung für die Berechnung chemischer Elemente oder Regeln der Bruchrechnung aus dem Ärmel schütteln kann.

Da ist es kein Wunder, wenn die meisten Eltern nach knapp einem Jahr dieses Zustandes sich von der Politik gelinde gesagt verlassen und verarscht fühlen.

Und nein, 300 Euro Kinderbonus machen die Sache auch nicht besser.

Was ihr uns Familien mit euren Maßnahmen gestohlen habt, werte Politik, läßt sich mit keinem Geld der Welt ersetzen. Ihr habt uns ein Jahr unbeschwerte Zeit mit unseren Kindern gestohlen.

Ich würde gern wieder die Mama von 2019 sein, die wenn die Kinder aus der Schule kommen ihr Lieblingsessen fertig hat, die sich mit den Kindern hinsetzt und über ihre Tageserlebnisse mitlacht/leidet. Die abends mit ihnen noch eine Runde Scrabble spielt, nachdem die Hausaufgaben kontrolliert und der Ranzen gepackt ist. Die Mama, die ihren (okay, meist müde-knautschigen) Kindern früh die vergessen Brotdose noch schnell zum Bus bringt, worüber man dann nachmittags meist zusammen nochmal schmunzeln kann.

Nein, stattdessen bin ich inzwischen der Schuldrache, der Drillseargent, die, die jeden Spaß stört, weil sie ständig mit irgendwelchen Schulaufgaben kommt, die sie selbst nur unzureichend und/oder nicht kindgerecht erklären kann.

Und das nervt!

Nicht nur die Kinder, sondern auch uns Eltern, weil entgegen weitläufiger Meinung, macht es uns nunmal keinen Spaß ständig zu schimpfen und zu mosern. Und ja, nicht nur die Schüler, auch wir Eltern fühlen uns manche Tage Schulaufgabentechnisch überfordert.

Was hier nämlich seit einem Jahr niemand sehen will: Lehrer ist ein Beruf für den in unserem Land mehrere Jahre studiert werden muss. Das Wissen, das während dieses Studiums erlernt wird, schüttelt sich auch die beste Mutter nicht auf Knopfdruck einfach mal so aus dem Ärmel.

So, genug gejammert.

Wer jetzt glaubt, das Ganze hat ja eh bald ein Ende: Der nächste Termin für den (nur prophylaxehalber, nur zur Fehleranalyse) Schulcloud-Workshop ist für Juli anberaumt.

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