Provinz-Presse-Posse

Beitragsbild Montage Screenshot/onderortel

Ist es noch „nur“ Frisieren der Realität à la Relotius oder schon Anstiftung zur („Straf“)Tat? Die Entscheidung sei jedem Leser selbst überlassen.

Fakt ist jedoch: Die örtliche Lokalpresse versucht sich in Sachen agent provocateur.

Aber fangen wir ganz von vorne an:

Seit Monaten treffen sich an jedem Montagabend um kurz nach 18 Uhr Kritiker der aktuellen Maßnahmenpolitik auf dem örtlichen Marktplatz. Das kleine Grüppchen von 5-20 Personen versammelte sich bei Wind und Wetter – stets unbehelligt und von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen.

Unbehelligt und nicht wahrgenommen, weil schon vor Corona im Winterhalbjahr die sprichwörtlichen Bürgersteige der Innenstadt um spätestens 17 Uhr, 17 Uhr 30 hochgeklappt wurden. „Dank“ der Maßnahmen haben die Leerstände sich vergrößert – und Geschäfte, die zahlungskräftige Kundschaft abweisen, weil kein „Pieks“ nachgewiesen werden kann, vergraulen die wenigen Bürger, die noch bereit waren, den örtlichen Handel zu unterstützen.

Mitte/Ende Dezember, als die Regierung Scholz sich anschickte, von der Schreckung (dem Vorzeigen der Folterinstrumente) dazu überzugehen, die Daumenschrauben einzusetzen, stieg die Zahl der Teilnehmer von Montag zu Montag sprunghaft an.

Am Montag vor Weihnachten (20.12.21) schätzte ich die Anzahl auf 80-100. Die Presse vermeldete für diesen Termin 65 Teilnehmer; angesichts der Tatsache, dass die Polizei in ihren Angaben immer um 1/3 ggü der Realität untertreibt, dürften knapp 100 Leute friedlich, in angeregte Gespräche vertieft, versammelt gewesen sein.

Am darauffolgenden Montag, dem 29.12.21, dann ein weiterer, sprunghafter Anstieg der Teilnehmerzahlen. Da die Anwesenden – unter Einhaltung von 1 – 1,20 m Anstand – nicht mehr vollständig auf den Marktplatz passten, ging ich von mindestens 300 Personen aus – trotz Nieselregen!

Irgendwann bewegten sich Grüppchen die Hauptstraße hinauf, auch ich folgte dem Zug (allein, da meine Verabredung eine Verspätung angekündigt hatte).

Im Verlauf der Hauptstraße traf ich auf eine (italienische ?) Kleinfamilie bestehend aus Mutter, Vater, Oma und ca. zweijährigem Kind, die sich völlig unbeeindruckt von den vorüberziehenden Grüppchen, Paaren und Einzelpersonen mitten auf der Straße aufhielten.

Als ich näher kam, begann das Mädchen (passend zur Witterung angetan mit Gummistiefeln und Schneeanzug) im stehenden Wasser der Gosse in der Straßenmitte zu hüpfen. „Nein, nein“, beschwichtigte die Mutter. „Hör auf. Du machst die Leute nass!“
„Nein“, widersprach ich. „Bitte, lassen Sie sie.“ Und an das Kind gewandt: „Komm, wollen wir beide zusammen hüpfen?“
Das Mädchen ließ sich nicht lange bitten, ihre Augen leuchteten auf, begeistert sprang sie zurück in die Gosse, dass es nur so spritzte. Und ich auch. Was für ein Spaß!
Dann entdeckte sie meine mit Blumen bedruckten Winterstiefel. „Buume!“, rief sie mit Begeisterung in ihrer Kleinkindsprache und zeigte darauf. „Buume! Buume!“
“Ja das stimmt.“ Die Mutter suchte Augenkontakt zu mir, lächelte mich an. „Da sind Blumen auf den Schuhen von der Frau.“

Ich winkte zum Abschied, das kleine Mädchen auch, und ließ mich, erfüllt von der positiven Energie dieses Erlebnisses weiter von den Scharen der Spaziergänger durch die Hauptstraße tragen …

… nur, um 15-20 Meter weiter emotional heftig abgekühlt zu werden:

Ein ca. 40-jähriger Mann, die FFP2-Maske fest ins Gesicht gezimmert, kam dem Strom der Spaziergänger entgegen. Er gab – sehr übertrieben – pantomimisch den „Schrei“ von Edvard Munch, wich theatralisch den friedlichen Menschen aus, „rettete“ sich gar in einen Hauseingang.

Doch, Moment …

… kommt irgendjemandem das bekannt vor?

Vielen Passanten, die dem Zug entgegenkamen, war deutliches Unbehagen anzusehen. Einige blieben in Haus- oder Ladeneingängen stehen und ließen die Demonstranten passieren, andere zogen schnell ihre Schutzmasken auf, um sich so sicher wie möglich durch die große Menschenmenge zu bewegen.

https://www.rnz.de/nachrichten/mosbach_artikel,-polizei-schritt-nicht-ein-mosbacher-spaziergaenger-bereiteten-passanten-unbehagen-_arid,795721.html
https://www.rnz.de/nachrichten/mosbach_artikel,-polizei-schritt-nicht-ein-mosbacher-spaziergaenger-bereiteten-passanten-unbehagen-_arid,795721.html

Als ich mir das Foto des Autors näher anschaute, zeigte dies eine frappierende Ähnlichkeit mit dem Laiendarsteller, der mir solches „Unbehagen bereitet“ hatte …

Doch zurück zum Spaziergang vom 29.12.21:
Im Nachgang befragte ich etliche Bekannte zu ihren Erlebnissen. Hier anekdotisch:

Carmen W.*: „Auf dem Weg die Gasse hoch zurück zur Hauptstraße kam mir ein Bekannter entgegen. Er war ganz überrascht, fragte, was die vielen Leute da machten. Als ich ihm das erklärte, bedauerte er sehr, keine Zeit zu haben – beim nächsten Spaziergang aber gerne dabei sein zu wollen.“

Michaela T.*: „Die Leute, die vor der Dönerbude anstanden, lächelten mir freundlich zu. Einige gaben mir das ‚Daumen hoch‘-Zeichen. Verängstigt oder von ‚Unbehagen‘ ergriffen kam mir keiner vor.“

Zurück auf dem Marktplatz, wurde ich selbst von einer nervös wirkenden Dame mit FFP2-Maske aufgehalten und angesprochen: „Warum sind denn die ganzen Leute in der Stadt? Was machen Sie hier?“
Ich antwortete: „Nun, ich schaue mir die Schaufenster an und die Weihnachtsbeleuchtung. Jetzt ‚zwischen den Jahren‘ ist endlich Zeit dafür.“
Sie, bohrend: „Und die anderen Leute? Warum sind die da?“
Ich lachte. „Das weiß ich nicht. Da müssen Sie schon die anderen Leute fragen.“

Ich weiß nicht, ob es sich bei der Dame um eine Mitarbeiterin der Zeitung handelte. Jedenfalls wurden „die anderen“ augenscheinlich befragt:

Direkt gefragt, ob die Demonstration – wenn auch ohne Pappschilder und Parolen, dafür aber mit Trillerpfeifen, vereinbartem Treffpunkt und gemeinsamer Marschrichtung – denn angemeldet sei, hieß es von den Teilnehmern stets, man mache gerade nur einen Spaziergang und habe dabei eben zufällig einige Bekannte getroffen. Eine Anmeldung sei deshalb nicht nötig.

https://www.rnz.de/nachrichten/mosbach_artikel,-polizei-schritt-nicht-ein-mosbacher-spaziergaenger-bereiteten-passanten-unbehagen-_arid,795721.html

Über den überaus harmonischen Ausklang des Abends mit der Polizei als Freund und Helfer habe ich bereits an anderer Stelle berichtet.

Doch die Harmonie – von den im Artikel erwähnten Trillerpfeifen hatte ich keine zu hören bekommen – schien bei der Presse nicht erwünscht gewesen zu sein. Fast schon beleidigt wurde konstatiert, dass

weder die anwesenden Polizisten noch Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamtes [einschritten]

https://www.rnz.de/nachrichten/mosbach_artikel,-polizei-schritt-nicht-ein-mosbacher-spaziergaenger-bereiteten-passanten-unbehagen-_arid,795721.html

… und die Aussage der Stadt zitiert …

Auch wenn es sich um nicht angemeldete Veranstaltungen handle, müsse die Meinungs- und Versammlungsfreiheit beachtet werden. „Solange diese friedlich verlaufen, wird die Polizei nach pflichtgemäßem Ermessen deeskalierend einschreiten.“

https://www.rnz.de/nachrichten/mosbach_artikel,-polizei-schritt-nicht-ein-mosbacher-spaziergaenger-bereiteten-passanten-unbehagen-_arid,795721.html

Am Folgetag hieb die Presse weiter in diese Kerbe, titelte voller Entrüstung:

„Stadt will sich von Spaziergängern nicht provozieren lassen“

Doch im neuen Jahr war endlich das ausgegebene Ziel der (unabhängigen und unparteiischen?) Presse erreicht:

Oberbürgermeister Jann erklärte, dass es von einer solchen Aktion „keine Wiederholung“ geben werde.

https://www.rnz.de/nachrichten/mosbach_artikel,-mosbach-stadt-will-sich-von-spaziergaengern-nicht-provozieren-lassen-_arid,796411.html

hieß es unter der reißerischen Überschrift

„Montags-Spaziergänger griff RNZ-Redakteurin an“

Da ich selbst in der ersten Januarwoche nicht in der Stadt war, brauchte ich nach meiner Rückkehr einige Zeit für die Recherche, ob sich das Geschilderte wirklich so zugetragen hatte:

Eine RNZ-Redakteurin wurde jedoch von einem Teilnehmer grob am Oberarm gepackt und dabei mehrfach aggressiv aufgefordert, ihre Fotos zu löschen, die sie zuvor von der Menge gemacht hatte. Die Polizei war schnell zur Stelle und klärte den Mann darüber auf, dass er als Teilnehmer einer öffentlichen Versammlung – egal ob angemeldet oder nicht – akzeptieren müsse, von der Presse fotografiert zu werden.

https://www.rnz.de/nachrichten/mosbach_artikel,-mosbach-montags-spaziergaenger-griff-rnz-redakteurin-an-_arid,799237.html

Inzwischen liegen mir drei Zeugenaussagen – ua von besagtem Teilnehmer – zum Geschehen vor.

Olivia S.*: „Ja, das habe ich genau mitbekommen. Ich lief 2-3 m hinter dem Mann. Am Straßenrand stand eine Frau, sie machte ziemlich auffällig Fotos. Ich sah, wie der Mann zu ihr ging und sie ansprach. Was er sagte, habe ich nicht gehört. Die Frau wandte sich von ihm ab und machte Anstalten zu gehen. Da hat er sie mit der flachen Hand am Arm zurückgehalten.“

Ali B.*: „Ich lief mit meinem Freund Rainer die Hauptstraße runter. Auf Höhe der Buchhandlung stand eine Frau, sie trat vor und machte direkt ein Bild von mir und Rainer. Daraufhin hat er sie angesprochen und darum gebeten, die Fotos zu löschen. Er war nicht aggressiv, nur nachdrücklich. Die Polizei hat auch er dazu geholt, nicht sie. Ob ersichtlich war, dass die Frau von der Presse war? Nein, überhaupt nicht. Das erfuhr ich erst später.“

Rainer N.*: „Ja, das war ich, der ‚Täter‘.“ Lacht. „Diese Frau hat direkt ein Foto von mir gemacht, frontal. Kann sein, dass mein Freund Ali da auch mit drauf war. Er blieb die ganze Zeit dabei und kann alles bezeugen. Einen Presseausweis oder eine Jacke mit ‚RNZ‘-Aufdruck? Nein, da war nichts, woran zu erkennen gewesen wäre, dass sie von der Presse ist. Auch als ich sie darauf ansprach, hat sie nichts gesagt. Das erfuhr ich dann erst von der Polizei, die ich dann gerufen hatte. Denn die wollte einfach weg mit meinem Foto. Hat sich einfach umgedreht und wollte weglaufen. Da habe ich sie am Arm zurückgehalten.“ Führt es an meinem Arm vor: Keine aktive Schlagbewegung sondern nur passives Zurückhalten, auch kein Zupacken. Die Hand ganz flach. „Der eine Polizist hat dann mit mir geredet, der andere mit ihr, dann haben die beiden Polizisten sich beratschlagt, und schließlich sagte der eine zu mir, dass sie von der Presse ist und ich es als ‚Person der Zeitgeschichte‘ hinnehmen muss, fotografiert zu werden.“ Zuckt mit den Achseln, lacht erneut.

Interessant, nicht? Vor allem, wenn man bedenkt, das unmittelbar auf die kreative „Berichterstattung“ hin die Stadt eine Allgemeinverfügung mit dem Verbot von Spaziergängen erlassen hat …

* Alle Namen geändert, Personen mir persönlich bekannt

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