Gastbeitrag: Die unverschämten Lügen der »Lockdown-Macher«

Pace fasst eine Analyse der Corona-Modellierungs-Kirche zusammen:

»Ist gut jetzt«, so beendete Drosten eine inzwischen legendäre Diskussion im November 2020 zum Thema exponentielles Wachstum.

Sein Tweet steht exemplarisch für die unbegreiflichen Modellierungsfehler und Fehlannahmen während der Corona-Pandemie und deren katastrophale Folgen.

Zu meinem Bedauern bin ich erst neulich auf eine brillante Streitschrift des Astrophysikers A/Prof. Bernhard Müller, aus dem Oktober 2021, aufmerksam geworden, die einen exzellenten Überblick über das amateurhafte Scheitern der modellierenden Quereinsteiger gibt und gar nicht hoch genug geschätzt werden kann. Herr Bernhard Müller möge mir [Pace] diese kleine Volte verzeihen, ich [Pace] untertitle seine Schrift mit:

»Das leise Wüten eines höflichen Akademikers«

Bevor ich [Pace] auf das Thesenpapier eingehe, müssen wir kurz rekapitulieren.

Nein, nichts war gut.

Jene, die die schrillen Prognosen und darauf gründenden Maßnahmen der Pandemiebekämpfung der vergangenen 3 Jahren kritisch unter die Lupe genommen haben, wissen um den schmerzlichen Fakt, dass diese praktisch immer falsch waren.

Nicht ein bisschen falsch, sondern so fundamental daneben, dass inzwischen fraglich ist, ob überhaupt irgendeine der, flapsig unter nichtpharmazeutische Interventionen (NPI) zusammengefassten, Maßnahmen einen Einfluss auf das Pangemiegeschehen hatte.

Der Aufarbeitung kommt existenzielle Bedeutung zu

Einer Aufarbeitung der wissenschaftlichen Fehlleistungen kommt eine geradezu existenzielle Bedeutung zu, vergegenwärtigt man sich, welch extremen Einfluss diese auf das politische Handeln hatten, welches Leid, welche Kosten und Kollateralschäden jene Maßnahmen verursacht haben.

Drostens Rolle als Pandemie-Anchorman

Drostens Rolle als Pandemie-Anchorman ist dabei nicht zu unterschätzen. Schließlich propagierte er nicht nur zahlreiche Maßnahmen, stets getragen von seinen nie enden wollenden Satzgirlanden.
In bester Wissenschaftsklitterung insinuierte er wiederholt, es gäbe nur diese eine annehmbare Wahrheit.

Er war es auch, der mit Kampfbegriffen aus der ideologischen Mottenkiste wie FalseBalance [Falsche Ausgewogenheit, ein Phänomen der medialen Verzerrung, bei dem vornehmlich im Wissenschaftsjournalismus einer klaren Minderheitenmeinung ungebührlich viel Raum gegeben wird.] und PLURV [Wissenschaftsleugnung] operierte, wenn Wissenschaftler, die seinen Ausführungen widersprachen, zu viel Aufmerksamkeit bekamen und der »Kampagnen« gegen sich witterte als Teile der Presse plötzlich die Frechheit besaßen, seine Expertise in Frage zu stellen, angesichts seiner unsäglichen Kinder-Viruslaststudie und der daraus resultierenden, harten Maßnahmen gegen Kinder und Jugendliche, die sich alle als falsch herausstellten.

Die »Drostenpodcasts« – eine Kanzel der Pandemie-Religion

Bereits in den ersten Tagen der Pandemie hatten die Medien Drosten den Nimbus des allwissenden Erklärbären angedichtet und ihm mit der Erfindung des »Drostenpodcasts« beim NDR eine Kanzel errichtet, von der er fortan die Dogmen der Pandemie-Religion dem Volk predigte.

Begleitet wurde er dabei von Journalistinnen, deren Rolle sich darauf beschränkte – als eine Art blitzgescheite Stichwortgeberinnen – zu vermitteln, man müsse schon mit dem Klammersack gepudert sein, eine wissenschaftliche »Eminenz« wie Drosten in Frage zu stellen.

Karikatur einer Wissenschaftssendung

Das Format verkam rasch zur Karikatur einer Wissenschaftssendung, hatte man doch nicht selten das Gefühl, da reden zwei Blinde von der Sonne.
Drosten – Experte für Coronaviren – war sichtlich überfordert, für ihn fachfremde Themen der Epidemiologie, öffentlichen Gesundheit, therapeutischen Medizin oder pharmazeutischen Forschung zu verstehen (geschweige denn zu vermitteln), seine Gegenüber begnügten sich – angesichts noch größerer Unwissenheit – mit ehrfürchtigem Staunen oder mausesk neugierigen Verständnisfragen.

Dennoch, dank seiner kindgerechten Informationsdarreichung, wurde der Podcast schnell zu einer Art nie endenden wollendem Konzil des Maßnahmenkultes und seine Anhänger gaben Drostens Einlässen nicht selten das Gewicht von Dekreten.

Fatale Wirkung aufgrund einer Modellierungsstudie

Fatale Wirkung entfaltete jener naive Glaube an seine profunde Expertise erstmals, als er in Episode 9 vom 9. März erwähnte, dass sich seine bis dahin eher moderat besorgte Einschätzung geändert habe, aufgrund einer Modellierungsstudie »einer weltweit führenden Gruppe«.

Gemeint war die heute berüchtigte Modellierungsstudie des Imperial College der Gruppe um Neil Ferguson.
Die Studie hatte mittels fragwürdiger Annahmen und auf Basis eines Softwarekerns von erschütternd schlechter Qualität, apokalyptische Vorhersagen getroffen.

Prognosen, so schrill und so abwegig, dass rational denkende Menschen ein heftiges Grübeln befiel.
Nicht so Herrn Drosten, der zwar durchaus Unsicherheiten bei der Modellierung konstatierte, alles in allem die grundsätzlichen Aussagen aber nicht in Zweifel zog.

Die Stunde der Modellierer hatte geschlagen

Die Stunde der Modellierer hatte geschlagen. Fortan stützte das Kabinett Merkel seine Maßnahmen auf Prognosen bis dato unbekannter Modellierungsexperten, die aus dem Schattendasein ihrer Professionen emporstiegen und plötzlich zu den gefragtesten Experten des Landes gehörten.

Physiker, Bioinformatiker sogar Verkehrsplaner traten ins Rampenlicht.
In Windeseile und getrieben von einer unvorstellbaren Hybris, »arbeiteten« sie sich in die Mathematik der Infektionsepidemiologie ein.

Einer Profession, die seit gut 100 Jahren versucht mathematisch zu beschreiben, was noch immer zu großen Teilen unverstanden ist:
Das Entstehen und Vergehen von Infektionswellen.

Modellierende Quereinsteiger

Wie haben es die modellierenden Quereinsteiger nur geschafft, sich in so kurzer Zeit in ein so komplexes und tief erforschtes Feld einzuarbeiten?

Die einfache Antwort: gar nicht.

In einem mir [Pace] unbegreiflichen und an Größenwahn grenzenden Akt, bildeten sich diese Tausendsassas ein, ein Problem zu lösen, für das es bis zum Ende des Jahres 2020 gar keine Lösung gab.
Ferguson war schon an der Modellierung praktisch aller vorangegangenen Epidemien gescheitert, an denen er sich versucht hatte.
Die Deutschen Quereinsteiger hatten gar keine Erfahrung.

Windschief wie die Wettervorhersage von Ostern für den Winter

Das Ergebnis ist bekannt: windschiefe Modelle, deren Ergebnisse so zutreffend waren, wie die Wettervorhersage an Ostern für den kommenden Winter.
Und dennoch, wenige haben bis heute dieser Scharlatanerie die gebotene Aufmerksamkeit geschenkt.

Das Eingangs erwähnte Thesenpapier Müllers fand, soweit mir [Pace] bekannt, keine öffentliche Resonanz und Frau Priesemanns Gruppe fällt dieser Tage erneut durch eine schrille Studie auf, die der Fußball-Europameisterschaft ~84.000 Tote zuschreibt und völlig unkritisch vom ÖRR und anderen Medien zitiert wird.

Daher möchte ich [Pace] heute einigen aufschlussreichen und in Teilen unterhaltsamen Passagen meine Stimme verleihen, wenngleich ich dadurch nur die Oberfläche der Arbeit streifen kann.

Ich [Pace] kann das Studium dieser hervorragenden Schrift nur dringend ans Herz legen!

Die Corona-Modelle »Ramschware«?

Der einleitend vermutende Verdacht, die Corona-Modelle könnten sich als »Ramschware« erweisen, trifft den Nagel auf den Kopf.
Wer sich einmal die Mühe gemacht hat, ein Code-Review bspw. der Modelle der Priesemann-Gruppe vorzunehmen, kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Die kindlich naive Erzählung vom exponentiellen Wachstum – konstatiert er – hätte jeder »mathematisch Vorgebildete« schon früh als das erkennen müssen, was es ist:

Simplifizierender Quatsch.

Eine Einschätzung, mit der Müller alles andere als allein steht.

Nicht minder stark auch seine Einordnung der Tauglichkeit der primitiven SIR-Modelle, auf die sich bspw. die Gruppe um Priesemann stützte.

Das GIGO-Prinzip

Ein wichtiges Prinzip, das für Modellierungen stets gilt, ist bis heute in der Öffentlichkeit weitgehend unverstanden.
Es ist, etwas salopp zusammengefasst, das GIGO-Prinzip:
Garbage-In-Garbage-Out.
Wenn die Annahmen eines Modells untauglich sind, ist das Modell nichts wert.

Dabei ist das Modellierungsprinzip zunächst unerheblich, denn auch komplexe agentenbasierte Systeme, wie sie das Imperial College oder Meyer-Hermman einsetzen, bergen mit Blick auf die Annahmen immense Risiken und verleiten zu unverzeihlichen Trugschlüssen.

Dabei ist es auch nicht gerade so, dass die Unzulänglichkeiten der mathematischen Epidemiologie ein Geheimnis gewesen wären.
Spätestens beim ehrlichen Studium der Literatur hätten die Quereinsteiger Abstand nehmen müssen.

Bittere Komik von Quereinsteigern

Apropos Quereinsteiger:
Wer erinnert sich noch an Drostens wirren Versuch, das Prinzip der Perkolation im NDR-Podcast (Folge 54) zu erklären?
Diesen süffisanten Kommentar Müllers dazu, möchte ich [Pace] nicht vorenthalten.

Spannend auch, dass gründliche Literaturrecherche der mathematischen Epidemiologie schon früh offenbart hätte, dass die leichtfertigen Versprechungen von Herdenimmunität auf tönernen Füßen standen.

Parallelen zu AIDS

Äußerst aufschlussreich die Parallelen zu AIDS, als man in den 80er Jahren ebenfalls Angst vor exponentiellem Wachstum hatte, das dann wider erwarten nicht eintrat.


Eine für mich [Pace] sehr bedeutende Frage, die auch Prof. Müller umtreibt:

Warum hat keiner der »Experten« der Bundesregierung die rote Flagge gehisst und vor allzu leichtfertigen Schlüssen, wichtiger noch, allzu leichtfertig beschlossenen Maßnahmen gravierender Tragweite gewarnt?

Das Talent von Wissenschaftlern zur unverschämten Lüge

Vielleicht gründet ein Teil in dieser prägnanten Feststellung:
»Man darf das Talent von Wissenschaftlern zum Schubladendenken nicht unterschätzen.«
Touché!

Und dennoch, das Wissen um die Unzulänglichkeit der eigenen Modelle, ohne diese offen zu kommunizieren, ist »ein janusköpfiges Vorgehen, das nichts anderes als die unverschämteste Form der Lüge darstellen würde.«


Keines weiteren Kommentars bedarf das scharfsinnige Sezieren des Priesemann-Modells, mit dem die Göttinger Gruppe die Wirkung von Maßnahmen bewiesen haben wollte.

Des Pudels Kern

Aber die Studie ging doch erfolgreich durch das Peer-Review einer renommierten Fachzeitschrift?
Hier liegt des Pudels Kern! Ich [Pace] kann nur empfehlen, sich die Anmerkungen der Gutachter zu Gemüte zu führen.

Schnell wird klar, welchen Wert ein Peer-Review in diesem Kontext hat.

Letztlich ist es zwar keine Überraschung – wenn man das Hand-in-Hand-Gehen von Wissenschaft und Politik der letzten 3 Jahre beobachtet hat – aber es bleibt erschütternd:
An einer genuinen Validierung der Modelle bestand und besteht schlicht kein Interesse.

Das »Präventionsparadox« als Joker

Der Joker der Modellierer war stets das peinlich vorgeschobene »Präventionsparadox«, der vorauseilende Gehorsam der Bevölkerung.
Unwidersprochener Mumpitz, den dann auch noch sogenannte Wissenschaftsjournalisten in die Breite getragen haben.

Ein historisches Versagen

Was bleibt? Am Ende steht ein historisches Versagen mit so verheerenden Folgen und so weitreichenden Verletzungen der freiheitlich demokratischen Grundordnung, dass nicht nur die Modelle und ihre Urheber vor einen Untersuchungsausschuss gehören.

Auch der Wissenschaftsjournalismus hat auf so eklatante Weise versagt, dass er dringend in medias res gehen muss. Ein Weiter so ist unvorstellbar.
Von sogenannten Fakten-Checkern, die »wohl eher persönliche Traumata aus ihren Anfangssemestern verarbeiten«, ganz zu schweigen.

Die Wissenschaft benötigt einen Selbstreinigungsprozess

Eine Aufarbeitung der Fehlschlüsse und Fehlprognosen ist nicht nur in Anbetracht der schweren Folgen geboten. Auch die Wissenschaft benötigt diesen Selbstreinigungsprozess, um verlorenes Vertrauen wieder herzustellen. Sich dieser Aufarbeitung zu entziehen, wäre ein Skandal. Wie wahr!

Unter dem Strich steht mehr als nur der bloße Verdacht, dass sich Wissenschaftler wider besseres Wissen in den Dienst der Politik gestellt haben, weil es ihnen zum Vorteil geriet. Neu ist das vermutlich nicht, nur, so hässlich ist es nie zu Tage getreten.

Bleibt zu wünschen, dass im Lichte einer zunehmend kritischen Betrachtung der Pandemie, mehr als nur eine Handvoll Journalisten ihre Scheinwerfer auf das unheilvolle Wechselwirken von Politik und Modellierern richten.

Ein guter Anfang wäre, die herausragende Streitschrift Müllers nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern sie zu verstehen!

Beitragsbild: Collage von Pace

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