Gastbeitrag: Was habt ihr getan?

Beitragsbild von Blake Cheek auf Unsplash

via Unterstützer von Pflegenden in der Corona-Krise

„Hallo!
Heute möchte ich auch gerne aus meinem Bereich berichten. Die Auswirkungen der Maßnahmen sind nun mehr denn je ganz deutlich zu beobachten.

Ich arbeite in einer Psychosozialen Beratungsstelle für Studierende. Ich berate auch internationale Studierende auf englisch.
Die Anfragen für ein Erstgespräch sind förmlich explodiert – wir können unserem Anspruch auf eine möglichst geringe Wartezeit kaum gerecht werden.

Panikattacke und Schlafstörung sind zum Standard

Viele Studierende zeigen bereits psychosomatische Symptome, die Panikattacke und Schlafstörung sind fast zum Standard geworden.

Aktuell kommen sehr viele, die eine soziale Phobie entwickelt haben und sich Veranstaltungen in Präsenz nicht mehr vorstellen können.
Sehr viel öfter als vorher kommen chronisch psychisch Kranke, meist schon mitten in einer Psychose.

Psychiatrische Institutsambulanz nimmt keine neuen Patienten auf

Von der Psychiatrischen Institutsambulanz habe ich letzte Woche die Info erhalten, dass keine neuen Patienten aufgenommen werden. Das heißt also, dass der Patient so akut werden muss, dass der Krankenwagen gerufen werden kann.

Auch bekommen wir in der Woche mindestens drei Anfragen von verzweifelten Mitarbeitern von Instituten der Uni, die sich nicht mehr zu helfen wissen im Umgang mit #psychisch auffälligen Studierenden.
(Das war vorher max drei mal im Jahr)

Beim Arzt durchweg abgewimmelt

Studierende brechen weinend in Vorlesungen oder der Bibo zusammen.
Ich habe aktuell so viele Klienten und Klientinnen mit Suizidgedanken wie noch nie. Sie haben bereits versucht ärztliche Hilfe zu bekommen- und wurden durchweg abgewimmelt.

Ich gebe mein Bestes um Schlimmeres zu verhindern.
Wie sehr ich dabei selbst unter Druck stehe wird mir gerade, da ich dies schreibe, bewusster denn je.
Es ist so grausam was diesen jungen Menschen angetan wird.


Meine Meinung:

Lieber Mitarbeiter der Psychosozialen Beratungsstelle für Studierende,
zunächst möchte ich als Mutter eines Studenten meinen tief empfundenen Dank aussprechen für Ihren Einsatz.
Er ist so wichtig – und wird komplett ausgeblendet.
Die Auswirkungen der Maßnahmen auf die psychische Gesundheit von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden wird vollkommen ignoriert. Es ist ja nicht so, dass es nicht schon früh warnende Stimmen gegeben hätte.
Ich möchte Ihnen an dieser Stelle ein Interview anbieten, um Ihre Sorgen und Ihr mehr als berechtigtes Anliegen für eine breitere Öffentlichkeit zu formulieren.
Bitte zögern Sie nicht, mich zu kontaktieren.
Abschließend noch einmal: Danke für alles, was Sie tun.



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